Auf der Jagd nach dem Glück

Womit hat das eigentlich angefangen, dass alle Menschen davon ausgehen, dass Glück etwas ist, was man zuerst mühselig suchen muss, um es zu finden? Ich meine nicht das Glück im Spiel, sondern vielmehr den Zustand des „Glücklichseins“. Natürlich: wenn Du davon ausgehst, dass Dein Glück irgendwo auf Dich wartet oder Du es dir hart erarbeiten musst, dann bedeutet das, dass Du glaubst, dass das Glück gerade nicht bei Dir ist. Ein unschöner Zustand, wenn Du ihn als negativ bewertest. Denn dann bist Du unglücklich. Vielleicht weißt Du es, vielleicht aber auch nicht: Es ist Deine freie Wahl! Ist das nicht großartig?

 

„Bei jedem Atemzug stehen wir vor der Wahl, das Leben zu umarmen oder auf das Glück zu warten.“

– 
Andreas Tenzer
 

Stell Dir das mal vor: Du bist glücklich. Ja, bitte mehr davon, es ist einfach der schönste Zustand! Du schöpfst ihn aus, in vollen Zügen, möchtest keine Sekunde verpassen, Du strahlst, lachst und fühlst Dich, als könntest du Bäume ausreißen. Ein wundervoller Zustand, keine Frage. Aber nun ziehen die Tage dahin. Und Du bist glücklich. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Nonstop. Würde das funktionieren? Würdest Du funktionieren?
Würdest Du noch Ziele im Leben verfolgen, wenn Du ja eigentlich nichts mehr brauchst? Du wärest ja unglaublich glücklich. Du würdest buchstäblich stehenbleiben und Dein Leben lang in einem Rausch verbringen. Denn letztendlich ist glücklich sein vor allem Eines: Ein Rausch. Und wie das bei Dingen, die uns in Rauschzustände versetzen so ist, macht auch das Glück süchtig. Wenn Du diese Sucht allerdings entlarvst und Dich nicht länger zu ihrem Sklaven machst, hast Du ein großes Stück Freiheit dazugewonnen.
Diesen Rausch zu erleben ist natürlich grandios. Aber als Dauerzustand würde es Dich davon abhalten, Deine Dir gegebenen Talente auszuschöpfen, voranzuschreiten, Dich zu bilden, zu träumen und eine Familie zu gründen, bzw. Dich um die bestehende Familie zu kümmern. Es ist wundervoll, wenn Du glücklich bist. Aber es ist auch wundervoll, wenn Du es gerade nicht bist, denn dann hast du die Chance, dein Leben fernab von der Jagd auf Glück zu gestalten und zu genießen. Denn dann kommt das heiß ersehnte Glück meist ganz von alleine.

 

„Das Geheimnis des Glücks ist die Freude in unseren Händen.“

-Ralph Waldo Emerson
 

Glück ist also auf Dauer leider nicht besonders gesund für uns, auch wenn es verlockend ist. Nach Zufriedenheit zu streben halte dagegen ich für viel gesünder, als suchtgeplagt ständig davon ausgehen zu müssen, dass das Leben nur dann gut ist, wenn man „glücklich“ ist. Ersetzen wir also einfach mal „Glück“ durch „Zufriedenheit“.
Aber auch mit der Zufriedenheit verhält es sich ähnlich: Die meisten Menschen gehen völlig selbstverständlich davon aus, dass es ein Zustand ist, den man sich erst erkämpfen muss. Besonders angesichts von Schwierigkeiten, wie z.B. die blöde Kuh m Büro lästert oder der Hund nagt das teure Sofa an, (Okay, ja ich weiß, es gibt schlimmere Probleme… aber ganz ehrlich, bist Du sicher, dass Du es auch weißt? Oder lässt Du Dir auch von so etwas die Laune verhageln?) scheint es schier unmöglich, in diesem Augenblick zufrieden zu sein. Weißt Du was? Das ist ein Gerücht!
Wir alle glauben diesem Gerücht allerdings, weil es total bequem ist. Denn so bewusst zu leben, dass man Zufriedenheit jeden Moment verwirklichen kann ist eine zunächst ziemlich anstrengende Aufgabe. Und wie gemein das Leben auch manchmal spielt: Da hast Du unter einer Erkältung zu leiden, verpasst dadurch ein wichtiges Meeting, fürchtest nun die Beförderung nicht mehr zu bekommen und deine Freunde haben so viel mit ihrem eigenen Leben zu tun, dass sich niemand um Dich kümmern kann. Da gebe ich Dir Recht, das ist wirklich fies! Aber selbst dann, oder, wie ich lieber sagen möchte: gerade dann hast Du die Möglichkeit, dich dazu zu entscheiden, fair und gut zu Dir selbst zu sein und Dich zufrieden zu geben mit dem, was Du hast. Denn wenn Du trotz Deines Elends mal ehrlich bist: Ist es nicht einfach toll, gerade so ein schönes Buch zur Hand zu haben? Deine Lieblingsserie einfach mal wieder stundenlang ohne Zeitdruck zu sehen? Den Tag im Pyjama zu verbringen und Dich ausschließlich Dir selbst zu widmen? Und was hast Du alles Schönes im Leben: Diese Wohnung, einen süßen Hund, du hast genug zu Essen, kannst dir ab und an schöne Dinge leisten… Hast du denn wirklich Grund dazu, jetzt nicht zufrieden zu sein? Trotz Schniefnase?

 

„Das Glück gehört denen, die sich selber genügen.“

-
Arthur Schopenhauer
 

Die eigentliche Schwierigkeit ist, dass Du erkennst, dass Zufriedenheit kein Zustand ist, der getrennt von Dir irgendwie, irgendwo auf Dich wartet. Das es nicht darum geht, noch diese eine Sache zu meistern und dann kannst Du endlich zufrieden sein mir Dir und vielleicht sogar einen Glückszustand erleben. Zufriedenheit ist etwas, was Dir mit auf den Weg gegeben ist, Du musst es nur verwirklichen. Zu lernen, zufrieden zu sein ist besonders Anfangs nicht so leicht, manchmal erscheint es sogar quälend unmöglich, das wissen wir beide wahrscheinlich nur zu gut. Du machst Dich so jedoch langsam aber sicher unabhängig von glücklichen oder unglücklichen Umständen, die in Dein Leben treten oder eben nicht. Keine Angst, Dein Antrieb geht nicht verloren, wenn Du Dich zufrieden gibst. Du hast schließlich bestimmte Bedürfnisse und auch, wenn du die Sucht nach dem Glück so gut im Griff hast, dass es Dein Jagdverhalten auf das Glück regelt, so ist die Jagd auf das Glück noch ein völlig natürlicher, lebenserhaltender Trieb. Das einzige, was Dir jedoch wirklich passieren kann, wenn du anfängst, Dich zufrieden zu geben ist Folgendes: Du lebst gesünder und entlastest Dich und Deine Umwelt. Deine Augen werden sich öffnen für die unzähligen schönen Dinge, die bereits in Deinem Leben sind und du wirst die kleinen Dinge schätzen lernen. Du wirst Schönheit entdecken, wo Du sie vorher nie wahrgenommen hast und Du wirst andere damit anstecken. Andere Menschen werden lieber mit Dir Zeit verbringen und bei Dir zur Ruhe kommen können.
Wenn Du meinst, dass Du diese Nebenwirkungen in Kauf nehmen kannst, würde ich der Zufriedenheit mal eine Chance geben. Du doch auch, oder?
 

Alles Gute Dir, von Herzen
 

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