Bio ist (nicht) gleich Bio

Ich hatte mit einigen von Euch das ein oder andere Mal die Diskussion über Bio-Lebensmittel. Und meist lief es darauf hinaus, dass ich „Bio ist nicht gleich Bio“ zu hören bekam. Warum das ne – sorry – faule Ausrede ist, möchte ich jetzt einfach mal, wie schon vielmals versprochen, durch eine kleine Auflistung schön geordnet darstellen. (Die Infos, die ich euch gebe hab ich im Laufe der Jahre in Magazinen von Greenpeace, PM, Deutsches Ärzteblatt, WWF, Ökotest, Stiftung Warentest etc. gelesen und natürlich in Gesprächen herausgefunden.) Und da ich heute noch fertig werden will, schreibe ich nur die wichtigsten, bzw. häufigsten, die man im Supermarkt finden kann, auf. Wahrscheinlich wisst ihr, dass man im Reformhaus natürlich stets Bioware bekommt, wo auch tatsächlich „Bio“ drin steckt. Ich bin weder Professor, noch Arzt oder Ernährungsberater – dennoch denke ich, dass ich, seitdem ich mich dazu entschieden habe, anderen Lebensformen auf diesem Planeten, so wenig wie möglich auf die Nerven zu gehen, genügend gute Informationen gesammelt habe, um euch guten Gewissens daran teilhaben lassen zu können.
Eine Sache noch vorweg: Ich rede hier über Bio-Siegel, im Supermarkt kann man Lebensmittel, auf denen „Bio“ steht, aber kein Siegel zu finden ist, getrost im Regal stehen lassen – mit Bio wird das nichts zu tun haben. Anders ist das natürlich bei Lebensmitteln, die man in Hofläden beispielsweise kaufen kann, da ist höchstwahrscheinlich kein tolles Siegel drauf, aber trotzdem 100% Bio drin. Da müsst ihr euch allerdings in eurer Region gesondert informieren.

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Das EU-Siegel

Wahrscheinlich für diesen blöden „Bio ist nicht gleich Bio“ – Spruch verantwortlich, der sich in die Gehirne der Leute eingepflanzt hat und ihr Gewissen anscheinend beruhigt, doch kein Bio zu kaufen und die Lebensmittelindustrie, die Krankmacher in ihr Essen pumpt, weiter zu unterstützen. (Sorry für die Moralkeule, aber der Spruch ist immer Argument Nummer 1, welches gegen meine Bio-Vorliebe entgegengebracht wird, das bringt mich echt auf die Palme.)

DENN:
höchstens 0,9 % gentechnisch verändertes Material ist enthalten
mindestens 95 % der Inhaltsstoffe kommen aus Öko-Anbau
Da haben wir also den Übeltäter. Also ihr Lieben, von Produkten, die dieses, bzw. NUR dieses Siegel tragen könnt ihr getrost die Finger lassen, denn das ist wohl nicht das „Bio“, das die Leute haben wollen. Selbst mit „nur“ 0,9% – igem Anteil an gentechnisch veränderten Inhalten, kann man genauso gut 100% zulassen, da es nicht die Menge macht, sondern natürlich auch die Information, die transportiert wird.
Zum Glück gibts noch ewig viele andere Bio-Siegel, die diese Geschichte nicht so locker sehen.

Sechseckiges Siegel

Das sechseckige Bio-Siegel

Betriebe, die ihre Lebensmittel mit diesem Siegel kennzeichnen, müssen die Vorgaben der EU-Verordnung für ökologischen Landbau erfüllen. Das bedeutet: Gentechnik, Pflanzenschutzmittel und künstliche Düngemittel sind verboten, Tiere müssen artgerecht gehalten werden und dürfen nur Biofutter bekommen. Zudem ist bei der Weiterverarbeitung zu Brot, Joghurt, Wurst und Käse nur die Verwendung von 47 der 315 in der EU zugelassenen Zusatzstoffe erlaubt. (Das ist ja schonmal ein Anfang.)
Lebensmittel dieses Siegels dürfen:
nicht zur Konservierung ionisierender Strahlung ausgesetzt werden,
nicht durch und mit gentechnisch veränderte/n Organismen erzeugt werden,
nicht mit Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln
nicht mit Hilfe von leicht löslichen mineralischen Düngern erzeugt werden,
nicht mehr als 5 % konventionell erzeugte Bestandteile enthalten
keine Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, Farbstoffe und Emulgatoren enthalten
Die Punkte hab ich jetzt aus Bequemlichkeit von Wikipedia übernommen – die stimmen aber auch.
Einmal im Jahr werden diese Betriebe untersucht – die Behauptung, dass Biobetriebe, die Lebensmittel mit diesem Siegel herstellen keiner Kontrolle unterliegen ist ein Gerücht! Außerdem gibt es regelmäßig unangemeldete Inspektionen. Verstößt ein Betrieb gegen die Vorgaben wird er geschlossen oder bekommt eine satte Geldstrafe. Natürlich können die Betriebe, besonders, seitdem Bio-Ware verstärkt im Supermarkt verkauft wird, nicht alle Nasen lang eine Razzia durchführen – schließlich sollen die Kosten, die letzten Endes der Verbraucher zahlt, ja nicht ins Unermessliche steigen.

Übrigens: Die Zahl der gefundenen Verstöße gegen die Bio-Vorschriften liegen offenbar unter einem Prozent, schreibt die EU-Kommission in einem Bericht zur Öko-Kontrolle.

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Demeter

Ganz tolle Sache – mein absoluter Lieblingsbetrieb! Allerdings ist Demeter in Supermärkten kaum zu finden. Dennoch möchte ich dieses Siegel nennen, da es einfach alle Voraussetzungen erfüllt, was man sich so unter „Bio“ vorstellt. Lebensmittel die dieses Siegel tragen sind absolut einwandfrei, da dieser Betrieb die mit Abstand strengsten Richtlinien hat.
Bedingung für eine Naturkosmetik mit dem Demeter Siegel ist ein Anteil von 90 bis 100 Prozent Rohstoffen aus Demeter Vertragsanbau. Das ist die höchste zu erreichende Qualität, die für Natürlichkeit und die geringste Schadstoffbelastung der Inhaltsstoffe steht. Demeter bürgt zudem bei der Verarbeitung der Rohstoffe und der Herstellung der Lebensmittel etc. für die Beachtung von biologisch-dynamischen Prozessen nach den Grundsätzen von Rudolf Steiner. (Schöne Gedanken aus ethisch-moralischer Sicht, aber hier würde das doch zu sehr ausschweifen!)
Ich brauche eigentlich gar nicht aufzählen, was bei Demeter alles untersagt ist, was für herkömmliche Lebensmittelindustrie ein Standard ist, denn damit kann man bestimmt ein Buch füllen.
Kurz gesagt: Tiere werden auf Weiden gehalten und bekommen selbst nur Demeter-Anbau-Futter. Der Anbau erlaubt überhaupt keine krankmachenden, chemischen Substanzen, Hormone, Antibiotika oder sonst irgendein Zeug, welches in der Lebensmittelindustrie ja schon fast zum guten Ton gehört.
Die Hauptpunkte sind:
– Verzicht auf synthetischen Dünger
– Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel
– Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe in der Weiterverarbeitung der Produkte
– Förderung der Lebensprozesse im Boden und in der Nahrung
– Alles was im Betrieb verwendet wird, muss vom eigenen Hof stammen
– Tiere müssen nicht nur Art-, sondern auch Wesensgerecht gehalten werden.
Also kleinen Küken werden auch keine süßen Schnäbelchen abgeschnitten, wie es sonst völlig normal ist und Schweine dürfen auch ihre Schwänze und Zähne behalten.

Bioland_Logo

Bioland

Eine gute Sache, weil auch Bioland strenge Richtlinien haben, sodass man es guten Gewissens als „Bio“-Ware bezeichnen kann. Auf einem Demeter- oder Bioland-Hof darf ausschließlich Öko-Landwirtschaft betrieben werden, ein Nebeneinander von biologischer und konventioneller Erzeugung, wie ihn die europäischen Bio-Vorgaben gestatten, ist tabu (es infiziert also kein böses Genfeld ein gutes Biofeld). Bei Bioland Produkten sind nach eigenen Angaben 22 Zusatzstoffe erlaubt, allerdings keine Konservierungsstoffe (geschwefelter Wein ausgenommen), Geschmacksverstärker und Farbstoffe. Künstliche oder gentechnisch erzeugt Aromen sind auch natürlich verboten. Das Regelwerk von Bioland ist nicht ganz so vollgestopft, wie das von Demeter, es gibt also ein paar Grauzonen mehr. Dennoch sind diese Grauzonen auf so nem hohen Niveau, dass es ausgeschlossen ist (die Aussage habe ich jetzt von einigen Ärzten gehört, die sollten hoffentlich wissen, wovon sie sprechen), dass man wirklich krank machendes Essen zu sich nimmt. Beispiel: Demeter verbietet Hybriden in der Zucht, bei Bioland gibts dazu keinen Paragraphen. Erbsenzählerei für mich, da ich wirklich absolut dankbar bin, dass es überhaupt solche Alternativen für uns gibt. Für manch andere nicht, deswegen hier eine genaue Auflistung der Unterschiede, wenn es euch näher interessiert :

Naturland-Logo

Naturland

Zertifizierte Landwirte und Betriebe, die Ware von Naturland weiterverarbeiten, produzieren nach den Naturland-Richtlinien Öko-Lebensmittel. Die Naturland-Richtlinien sind um einiges strenger, als die (EU-) Bio-Verordnung. So gelten zum Beispiel seit 2005 bei Naturland zusätzliche Sozialrichtlinien, bei der Zertifizierung die sozialen Bedingungen bei der Erzeugung und weiteren Verarbeitung der Produkte geprüft werden. Super oder? Im Grunde sind sich Naturland und Bioland ziemlich ähnlich, ich hatte mal eine Seite gefunden, die die Unterschiede tatsächlich aufgedröselt hat, aber die sind so fein, dass sich die normalen Verbraucher, die die Schnauze von Kleingedrucktem voll haben, auch nicht sonderlich damit beschäftigen wollen. Ich kanns gut verstehen, ich war auch nicht schwarf drauf, aber da jeder etwas anderes über Bio zu kamellen hat, habe ich mich einfach selbst auf teilweise trockene Informationssuche begeben.

Diese drei letzten Betriebe sind eigentlich die straightesten unter den großen Konzernen, die Bio-Produkte vertreiben. Von denen könnt ihr ruhig Produkte kaufen und dabei ein gutes Gewissen haben. Und mal ganz im ernst, wer schonmal ein Demeter-Steak gegessen hat, kann das Supermarktzeug echt nur noch schwer runterwürgen. Dasselbe gilt für Eier!

A propos Eier:
Wenn ihr wissen wollt, woher eure Eier kommen (ja ich musste gerade selbst grinsen, es bleibt eben immer lustig) dann ist das eine prima Seite:
www.was-steht-auf-dem-Ei.de

Und zu guter Letzt:
Ich höre immerzu „Bio ist unbezahlbar“. Bio ist teurer, aber nicht unbezahlbar. Wusstet ihr, dass die Bio-Kartoffeln vom Aldi eigentlich von Naturland sind? Die Altendorfer Wurst vom Hit? Alnatura Tofu? Die Rewe Milch? Tadah, bezahlbar – es geht doch. Ihr wisst ja nun, wie die Siegel aussehen, geht doch einfach mal selber auf die Suche. Wär das nicht ein tolles Gefühl, als Mann einfach mal Biomilch zu trinken und sich somit der Gefahr zu entziehen, Männerbrüste zu bekommen, weil sie nicht vollgepumpt mit Östrogen ist (Gynäkomastie – das ist die Krankheit, unter der immer mehr Männer zu leiden haben -Tendenz steigend) ? Oder die eine von 8 unfruchtbaren Frauen aus selbigem Grund zu sein? Oder nicht ständig krank zu werden, da man Putenfleisch gegessen hat, welches eine Tonne Antobiotika enthält und somit das Immunsystem zerstört? Es sagt ja schon der Name: Anti – Bio(tika) = Gegen Leben. Und was meint ihr, wie unter dem Strich eure Arztrechnungen aussehen würden, wenn ihr mal ein paar Jahre bei eurem Essen die Chemie ausklammert? Ich behaupte ja nicht, dass Bio-Lebensmittel magische Fähigkeiten haben und euch von allem kurieren, aber ich bin überzeugt, wenn man die Chemie, die einem durch den Konsum herkömmlicher Lebensmittel in den Organismus übergehen, umgeht, ist man von Tag zu Tag gesünder. Fragt eure Heilpraktiker!

Das war jetzt ein kleiner Ausschnitt von meiner Seite, warum man umdenken könnte. Könnte. Ich will ja niemandem etwas aufzwingen und ohnehin werden das hier wohl eher Leute lesen, die sich sowieso schon bereits dafür interessieren. Letztlich muss das alles natürlich jeder selbst wissen und entscheiden. Ich finde nur, dass diese Ausreden à la „Bio ist nicht Bio“ und „Bio ist schweineteuer“ gleichzustellen sind mit „Ich bin zu faul und bequem, mich damit auseinanderzusetzen, wie man unser Leben verbessern könnte. Aber ich mecker jetzt trotzdem mal eine Runde an der Welt rum, ist ja hier Meinungsfreiheit und so.“ Mit diesem kleinen Bericht habe ich euch ja schon den Hauptteil der Arbeit abgenommen, jetzt hoffe ich, dass sich jemand inspiriert fühlt, gleich mal loszutingeln und die Aldikartoffeln auszuprobieren.

Viel Spaß euch und bis bald!

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