Die Kunst sich zu freuen

Bordüre IndienWann hattest Du zuletzt Freude bei etwas oder wegen etwas? Wie oft erlebst Du ganz bewusst Freude? Ist Freude mehr ein flüchtiger Bekannter für Dich oder schon Dein bester Freund? Über was kannst Du Dich freuen? Was oder wer hindert Dich daran? Siehst Du diesen Tag als Grund zu Freude oder eher als Grund um einen weiteren Tag an die Reihe der bereits erlebten Tage zu hängen? Und vor allem: Sind Deine Gründe, die Dich am Freuen hindern wirklich Gründe oder vielleicht doch eher Ausreden?
Dieses Mal habe ich einige Fragen an Dich. Ich stelle sie Dir, da ich Dir erklären möchte, dass in Deiner Freude Dein Potential liegt, das Leben leicht zu leben. Nein, das ist zu wenig. In deiner Freude liegt Dein Lebenspotential.
Ich meine damit nicht, Dinge auf die leichte Schulter zu nehmen und das es Dir egal sein soll, wenn Dinge in Deinem Leben nicht so laufen, wie Du es Dir wünschst. Es ist keine Aufforderung zur Abgabe von Verantwortung oder Achtsamkeit. Es ist die Aufforderung an Dich, Dich zu entfalten, anstatt Dir selbst durch negative Bewertungen der Dinge die Möglichkeit jeden Tag aufs Neue zu versagen, in die Gänge zu kommen.

 

„’Ich habe mich so gefreut‘ sagst Du vorwurfsvoll wenn Dir eine Hoffnung zerstört wurde. Aber Du hast Dich gefreut – ist das nichts?“

– Marie von Ebner-Eschenbach
 

Hier wären wir auch schon beim Kernproblem. Es ist die Bewertung, die wir den Dingen geben, die sie schwer oder leicht, schlecht oder gut erscheinen lässt. Freude entsteht, wenn Du positive Gedanken und positive Bewertungen zulässt. Warum aber scheint genau dies das Problem der meisten von uns zu sein?
Die Antwort liegt in unserer Bereitschaft, aus der Opferrolle hinauszutreten und ein „Handelnder“, anstatt ein „Ertragender“ zu werden. Die Situationen, die uns begegnen haben auch stets etwas mit uns selbst zu tun. Und jede noch so unangenehme Lage birgt für uns einen Schatz, der gehoben werden will, nämlich eine bereichernde Lektion, die es zu lernen gibt. Die Dinge, die für uns das meiste Lernpotential begegnen, kreuzen immer und immer wieder unseren Weg. So unfair es auch erscheinen mag, Du kannst Dich jederzeit dafür entscheiden, diesen Dingen keine negative Bewertung zukommen zu lassen und beginnen, sie für, anstatt gegen Dich zu nutzen. Wenn Du Dich nicht länger damit zufrieden gibst, überfordert und hilflos zu sein, sondern mit kleinen (oder großen) Schritten das Positive im Negativen erkennst, nimmst Du die Schwere aus Deinem Leben.

 

„Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden, als Freude zu gewinnen.“

– Sigmund Freud
 

So etwas passiert selten von heute auf morgen. Und wenn es passiert, so passiert es Dir nicht, sondern Du lässt es passieren! Der Unterschied ist riesig! Und es ist wichtig, dass Du ihn Dir verinnerlichst. Freude ist nicht etwas, was Dir kleine Geister im Vorbeihuschen in die Tasche stecken oder etwas, was Du ausschließlich erlebst, wenn Dir ein anderer Mensch die Möglichkeit dazu einräumt. Zum Beispiel eine Trennung von einem andern Menschen aus dem Grund, dass er einen nicht glücklich macht wird Dir so oft in Deinem Leben widerfahren, bis Du erkennst, dass die Möglichkeit, sich für Leichtigkeit zu entscheiden niemals im anderen, sondern immer in Dir selbst lag. Eine Trennung ist eine schlimme und schlechte Situation. Ich bewerte sie hier bewusst negativ. Wie könntest Du nun diese Aussage und damit eventuell die gesamte wiederkehrende Situation für Dich transformieren? Versuche, Dir einen Satz zu bilden, der für Dich das Positive aus dieser Situation (und es ist egal, ob es bei Dir um wiederholte Trennungen, Gewichtszunahme oder Melancholie, etc. geht) herausholt. Das ist die Basis, dass Freude entstehen kann. Alleine eventuell ein wiederkehrendes Muster erkannt zu haben, überhaupt die Möglichkeit zur Änderung zu haben ist ein Grund zur Freude. Natürlich musst Du Dich nicht darüber freuen, aber wenn du beginnst, stets die positive Seite, die Möglichkeit des Wachstums zu erkennen, kommt sie automatisch, denn das Fundament ist nun da.

 

„Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat.“

– Nicolas Chamfort
 

Das wunderbare an der Freude ist, dass Du beginnst, Dich auch über Dinge wahrhaftig zu freuen, die nicht direkt etwas mit Dir selbst zu tun haben. Sich zu freuen kann man zu einem ganzen Lebensstil ausweiten (das ist übrigens die beste Gesundheits- und Schönheitsvorsorge!). Ich freue mich z.B. gerade darüber, dass Freude so etwas schönes ist. Für Menschen, die im „sich-freuen“ nicht geübt sind mag das total seltsam oder sogar verrückt erscheinen, aber ich erfreue mich bester geistiger Gesundheit. Wenn Du erkennst, dass es nie wirklich das Auto war, über das Du Dich freust, sondern das tolle Fahrgefühl, lernst Du Deinen Fokus von großen Dingen darauf zu lenken, was wirklich gut für Dich ist. Es muss natürlich nicht zwingend ums Auto gehen, aber das Prinzip lässt sich auch auf alles andere in Deinem Leben anwenden. Wer schwer Freude finden kann, sucht eventuell in den falschen Ecken derselben Sache, in der sie dennoch verborgen liegt. Findest Du den Sportwagen toll, weil Du mit ihm so reich und attraktiv wirkst, wirst Du keine Freude finden, da Du Dich auf Deinen Mangel konzentrierst. Sitzt Du in Deinem Sportwagen und legst Dich beherzt in die Kurven, empfindest Du Freude! Es macht Dir Spaß! Es ist Deine Entscheidung, ob Du Sportwagenfahrer wirst aufgrund Deiner Mängel oder aufgrund Deiner Stärke Spaß zu haben!

 

„Das Lächeln, dass Du aussendest, kehrt zu Dir zurück“

– Indisches Sprichwort
 

Wenn Du Dich freust, entwickelst Du ungeheures Energiepotential. Du siehst Dinge anders, Deine Sinne entfalten sich. Selbst das Essen schmeckt besser, wenn Du Dich freust! Oder ist es Dir nie aufgefallen, dass ein grässlicher Burgunder-Wein in Paris wunderbar schmeckt, wo Du ihn doch zu Hause bestenfalls zum Kochen verwenden würdest…? Dinge werden leichter, das Leben ist heller, selbst wenn es regnen sollte. Aber Regen ist nicht länger ein Faktor, der negativ von Dir bewertet wird. Du denkst daran, dass Du Deinen Garten nun nicht stundenlang gießen musst, dass Deine Pflanzen eine wohltuende Dusche erhalten, dass die Luft gereinigt wird und Du Dir dem Film ansehen kannst, den Du schon immer mal sehen wolltest, ob zu Hause oder im Kino. Und was für eine Lust Du dann hast ins Kino zu gehen, jetzt wo es nicht mehr der Regen ist, der Dich zwingt, irgendwas zu finden, was Dich trotz Regen halbwegs bei Laune hält. Nein, Du freust Dich Deinen Kumpel zu sehen, mit dem Du nachher bis in die Nacht noch über diese genialen Roboter und coolen Aliens im Film philosophieren kannst oder in einer Bar ein tolles Gespräch hast, den besten Cocktail der Welt trinkst oder jemand neues kennenlernst. Ganz egal – wenn wir uns von unserem Ärger über den Regen nicht schon morgens den Wind aus den Segeln nehmen lassen, sondern entscheiden uns stattdessen zu Freuen, dass unsere Pflanzen kostenlos gegossen werden, wird es womöglich einer der besten Tage überhaupt!

Und das Beste kommt noch: Freude steckt an!

 
Erhelle Jemandem den Tag und freu Dich!

 
Deine Sophia