Die lähmende Angst

Bordüre4Du bist abgekämpft und fühlst Dich ausgesaugt. Ausgesaugt von anderen, von Deiner Umwelt, von Deinem Leben. Alles, was Du Dir wünschst, ist, dass es nicht noch schlimmer wird, als es sowieso schon ist. Du könntest ja eigentlich so weitermachen…gut fühlt es sich nicht an, aber wenn es nur ein bischen besser wäre, dann ginge es vielleicht. Du bist müde, dein Rücken tut weh und in Deinem Kopf drehen sich die Gedanken. „Ich schaffe das nicht mehr, es ändert sich nichts mehr.“, „Es ist so schwer, wie soll ich all dem noch gerecht werden?“, „Was ist, wenn ich nicht mehr funktionieren kann?“, „Ich wurde allein gelassen, wofür soll ich kämpfen?“, „Ich habe keine Kraft für nichts mehr.“, „Ich muss irgendwie das noch ein paar Jahre schaffen, von was sollen denn sonst die Kinder leben?“, „Warum hilft mir denn nur niemand?“, „Ich habe so Angst, dass ich hier stecken bleibe und nie mehr glücklich sind kann“.

 

„Wer werden will, was er sein sollte, der muss lassen, was er jetzt ist.“

– Eckhart Tolle
 

Bist Du wirklich Du oder funktionierst Du nur? Bist das alles Du oder bist du verzweifelt, weil Du Dich aussichtslos fühlst und die Hoffnung langsam aufgibst, dass es eines Tages besser wird? Irgendwie steckst Du an einem Punkt und kannst Dich nicht bewegen. Aber warum ist das so? Ist es vielleicht, weil Du fürchtest, alles zu verlieren, nicht mehr gut leben zu können, wenn Du etwas tust, was Du wirklich willst? Fühlst Du Dich vielleicht schuldig? So, als würde Dir es nicht zustehen, von einem besseren Leben zu träumen oder es sogar tatsächlich umzusetzen? Fühlst Du Dich verantwortlich? Deiner Familie gegenüber? Deinen Freunden? Deinen Arbeitgebern oder vielleicht auch einfach nur einer Idee, die nichts mehr, als ein bereits überholtes Gedankengerüst ist? Weißt Du vielleicht schon, was zu tun wäre, um den Stillstand zu beenden, aber bist wie gelähmt? Glaubst Du, Du musst erst noch diese und jene Aufgabe erledigen, Dein Lebensthema bewältigen, Dein Karma auflösen, und so weiter, bevor Du den Schritt in eine neue Zeit für Dich wagen darfst?

 

„Wenn es eine Angst ist, die ihr verjagen wollt, ist der Sitz dieser Furcht in eurem Herzen und nicht in der Hand des Gefürchteten.“

-Khalil Gibran
 

All diese Fragen, die ich Dir gestellt habe leben von zwei Faktoren. Entweder der Vergangenheit oder der Zukunft. Hast Du Dich in einer der Fragen, die ich gestellt habe wiedererkannt? Gut, Du bist nicht alleine. Menschen bleiben stehen, wenn sie sich irgendwann diese Fragen stellen. Und ich würde behaupten, jeder Mensch kennt diese Fragen. Die, die sie nicht kennen, haben sich wahrscheinlich nie fortbewegt. Einige entscheiden sich zur Ignoranz. Andere entscheiden sich, hinzusehen. Du gehörst zu denen, die hinsehen, das ist eine sehr gute Sache und dafür darfst Du Dich selbst anerkennen. Das Du einer von denen bist, die hinsehen können, gibt anderen Menschen, die ebenfalls hinsehen möchten, Hoffnung. Jetzt ist aber die Frage: Siehst Du hin und verzweifelst? Wenn Du Dich in diesen Fragen, die ich Dir stellte wiedererkannt hast, kannst Du davon ausgehen, dass Du Dich gerade als Opfer dieser Umstände siehst und irgendwo stecken geblieben bist. Keine Angst, das ist überhaupt nicht schlimm! Jeder von uns bleibt mal stecken an einem gewissen Punkt im Leben…oder mehreren. Es macht Dich nicht zu einem dummen oder schlechteren Menschen, wenn Du Dir eingestehen musst, irgendwie festgefahren zu sein. Denn diese Situation möchte Dir die Chance eröffnen, den Faktor zu erkennen und unschädlich zu machen, wegen dem Du überhaupt in dieser Situation feststeckst, voller Trauer, Verzweiflung, Schuld, Ohnmacht oder auch Wut: es ist Angst.

 

„Du kannst dich nicht selber finden, indem du in die Vergangenheit gehst. Du findest dich selber, indem du in die Gegenwart kommst.“

-Eckhart Tolle
 

Na klar, was soll es auch sonst sein? Angst vor der Zukunft, ob man diesen oder jenen Schritt wagen soll, ist doch ganz normal. Aber sollte es das sein? Ich wünsche mir, dass Du siehst, dass Deine Angst n u r und a u s s c h l i e ß l i c h existieren kann, wenn Du in der Zukunft oder der Vergangenheit klebst. Entweder, Du hast Vergangenes nicht losgelassen oder krallst Dich an Zukunftsängsten fest. Aber ich möchte Dich eines fragen: Existieren Vergangenheit oder Zukunft?
Was sind denn Vergangenheit oder Zukunft eigentlich? Es sind Gedankengerüste. Jetzt in diesem Augenblick, wo Du das liest existiert keine Vergangenheit. Jetzt, eine Sekunde später existiert sie immernoch nicht. Und jetzt? Auch nicht. Genauso verhält es sich mit der Zukunft. Du trägst die komplette und vollständige Verantwortung für Dein Leben, hier und jetzt. Das ist keine Bürde. Es ist ein Geschenk. Findest Du es angemessen, Dein Leben zu würdigen, indem Du es wie eine Last behandelst? Das Leben zu leben ist oft beschwerlich, aber das ist für Dich so, wie für jeden anderen Menschen auch. Willst Du Dich Dein Leben lang dagegen auflehnen, dass es Schwierigkeiten zu bewältigen gibt? Und wenn ja, was soll Dir das nützen? Änderst Du die Schwierigkeiten denn, indem Du gegen sie ankämpfst? Änderst Du sie, indem Du sagst „Hätten mich meine Eltern nicht als Kind immer weggegeben, hätte ich jetzt mehr Vertrauen in Beziehungen.“, „Wäre meine Mutter keine Säuferin gewesen, wäre ich ein glücklicheres Kind gewesen und hätte viel mehr zu geben als jetzt.“ oder „Hätte mich dieser Mann nicht jahrelang ausgenutzt, hätte ich jetzt mehr Kraft, mein Leben zum Positiven zu ändern und mich zu verwirklichen.“.

 

„Wenn wir unsere Wünsche und Bedürfnisse akzeptieren können, sind wir auch bereit, für ihre Erfüllung zu sorgen.“

-Melody Beattie
 

Ist es das? Ändert sich dadurch an der Situation irgend etwas, außer, dass Du aus Kraftlosigkeit und Angst, die Verantwortung für dein Leben von Dir weist? Es ist ein Teufelskreis, da gebe ich Dir uneingeschränkt Recht. Aber es ist ein Fehler, zu hoffen, dass sich irgendetwas ändert, wenn Du keine Verantwortung übernimmst und Deiner Angst, die Dich so lähmt ins Auge siehst. Ja, vielleicht ist es nicht die sicherste Perspektive, Deinen Job aufzugeben um Dich mit selbstgemachter Kleidung und Schmuck selbständig zu machen, aber findest Du es denn angemessener, Dein Leben unglücklich und sicher abzuwarten, als Deine Leidenschaft zum Beruf zu machen und damit glücklicher und zufriedener mit Dir selbst zu sein? Damit eröffnest Du Dir eine der besten Möglichkeiten, die man im Leben hat: Die Möglichkeit in den Spiegel zu sehen und zu sagen: „Und das habe ich geschafft. Aus eigener Kraft und Verantwortung. Weil ich es von Herzen wollte.“.

 

„Aus Angst, mit Wenigem auskommen zu müssen, läßt sich der Durchschnittsmensch zu Taten hinreißen, die seine Angst erst recht vermehren.“

-Epikur
 

Ich sage ja nicht, dass Du planlos alles über den Haufen werfen sollst und kurzerhand nach Ibiza auswandern sollst (was übrigens einem Freund von mir trotz Planlosigkeit und nicht vorhandenen Spanischkenntnissen überaus erfolgreich gelungen ist!). Einen Plan B zu haben ist immer förderlich, aber ich finde, Du hast es verdient, Dir selbst die Möglichkeit einzuräumen, Dich nicht von Faktoren, wie Vergangenheit oder Zukunft fertig machen zu lassen. Diese Faktoren existieren nämlich nicht! Du hast Angst vor, bzw. wegen etwas, was nicht existiert! Findest Du das nicht eigentlich total irrsinnig? Ich könnte Dir das nicht schreiben, wenn ich es nicht selbst kennen würde. Ich weiß, wie scheinbar unlösbar festgefahren sich Situationen präsentieren können. Aber wenn Du genau hinschaust, dann siehst Du, dass diese Unlösbarkeit nur existieren kann, weil sie sich von Deiner Angst ernährt. Ekelig oder? Ich kann Dir sagen, als ich das dann endlich verstanden hatte, habe ich meine Angst mit einem riesengroßen Satz vor die Tür befördert! Unverschämtheit! Was glaubt die denn, wer sie ist, mir mein Leben schwer zu machen?

 

„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“

-Antoine de Saint-Exupéry
 

Ich möchte Dich gerne ermutigen. Es ist keineswegs nichtig oder bedeutungslos, was Dir in Deinem Leben passiert ist. Und Deine Überlegungen über die Zukunft sind auch mehr als angebracht und wichtig, um Dein Leben zu ordnen und in eine Richtung zu lenken. Aber Du kannst mutig sein. Du hast den Weg gewählt, hinzusehen. Du hast bereits gewählt, Dir anzusehen, was in Deinem Leben passt und was nicht passt. Sonst würdest Du das hier mit ziemlicher Sicherheit nicht lesen. Du hast gewählt, Dir diesen Planeten mit seinen Bewohnern anzusehen und ihn Dir zu Herzen zu nehmen. Du hast gewählt, bewusst zu sein. Und ja, wenn man bestimmte Dinge bewusst wahrnimmt und erkennt, kann einen das entmutigen, entkräften und zur Verzweiflung treiben. Aber Du hast jederzeit die Möglichkeit, Deinen Weg selbst zu gestalten. Du hast die Wahl, Dich von der Angst, dass Dir Vergangenes wieder passieren könnte, einholen und lähmen zu lassen oder eben die Vergangenheit da zu lassen, wo sie hingehört und es zu wagen. Ist es Dir Dein Leben wert, dass Du es vor lauter Angst nicht lebst? Du weißt, wo Dein Weg ist, Du gehst ihn gerade. Wenn Dir dieser Weg gerade nicht gefällt, pflanze ein paar Büsche, grabe einen Graben durch den ein Bach entlang des Weges plätschert, finde einen Freund, der diesen Weg mit Dir gehen möchte. Komm in die Gegenwart, denn nur in der Gegenwart findest Du die Kraft, Dein Leben so zu lenken, wie Du es möchtest. Sei offen und bewerte Dinge nicht durch das, was Dir in der Vergangenheit schreckliches passiert ist. Nur in der Gegenwart findest du Liebe. Die Gegenwart interessiert sich nicht für Deine Vergangenheit. Sie interessiert sich für Dich. Denn Du bist weder Deine Vergangenheit, noch Deine Zukunft.

 
Du bist Du und Du darfst mutig sein. Dein Leben gehört Dir und hat sich Dich ausgesucht, um von Dir geliebt und gelebt zu werden.

Mach das beste daraus, Du kannst das.

 Deine Sophia