Du bist was du denkst.

Bordüre4„Schnee? Ihgitt! Ich hatte genug davon dieses Jahr!“ dabei freuen wir uns doch alle sonst darüber, wenn es im Winter schneit! Nun gut, die meisten unter uns. Und dann stehst Du im März morgens auf, ziehst die Vorhänge zur Seite und… es ist weiß! Wie furchtbar! Dabei sollte es doch so langsam mal Frühling werden!
Aber was ist denn nun der Unterschied zwischen dem Schnee im März und dem Schnee an Weihnachten? Ich meine Schnee ist doch Schnee, oder? Und ist Schnee an sich nicht immer gleich?
Das, was es wirklich unterscheidet ist die Bewertung, die wir dem Schnee im März, bzw. an Weihnachten geben. Ein verschneiter morgen an Heiligabend kann Dich in einen Freudentaumel versetzen, während ein weißer Märzmorgen Dir von Anbeginn des Tages die Laune verhagelt. Alles, was sich von dem unterscheidet, was Du für Dich als Idealzustand festgelegt hast ist „schlecht“ und alles, was diesem Zustand entspricht oder auch sehr nahe kommt ist „gut“.
Du siehst, da kristallisiert sich ein Hang zum Negativdenken heraus, denn die Wahrscheinlichkeit, dass etwas unserem idealen Verständnis von „gut“ entspricht ist bei den meisten von uns verhältnismäßig klein. Es sei denn, Du bist in Zufriedenheit geübt…dann gestaltet sich das positivere Denken schon leichter.

 

„Das Glück Deines Lebens hängt von der Beschaffenheit Deiner Gedanken ab.“

-Marcus Aurelius
 

Ich bestreite nicht, dass sich eine schlechte Laune durch Schneefall im März auch durch biologische Faktoren, wie z.B. den aus dem Lichtverlust entstehenden Vitamin-D-Mangel legitimieren lässt. Aber wenn Du ehrlich bist, dann sind wir uns glaube ich beide einig, dass das bei Weitem nicht immer biologische Ursachen hat. Oder wie war das, als Dir vor ein paar Wochen diese eine unangenehme Person über den Weg lief oder Du völlig entnervt warst, als Du Letztens am laufenden Band missverstanden wurdest?
Wie so oft ist es in diesen Situation Deine bewusste oder unbewusste Entscheidung, unter Dingen zu leiden, die Du nicht ändern kannst. Es ist Deine Entscheidung an dem Idealzustand, wie Dieses oder Jenes für Dich zu sein hat, festzuhalten und unter der Situation zu leiden, oder Dich dazu zu entscheiden, Dinge nicht mehr im Schwarz-Weiß-Raster zu sehen. Es gibt nicht immer nur „gut“ und „schlecht“. Es gibt Dinge, die für uns normalerweise wirklich als schlecht zu bewerten sind schlecht sind, wie z.B. eine tödliche Erkrankung. Aber ist es nicht seltsam, dass gerade angesichts dieser schlimmen Umstände die betroffenen Menschen die Kraft entwickeln, ihre Krankheit tatsächlich als Chance, also als etwas Positives zu begreifen? Warum können wir das dann nicht angesichts von Schneefall im März? Ob Birnen oder Äpfel, der Vorgang sich vom Negativdenken frei zu machen ist tatsächlich bei beidem derselbe.

 

„Alles was Du bist ist ein Resultat dessen, was Du gedacht hast.“

-Buddha
 

Ich rede auch nicht von Zwangsoptimismus; dass Du alles irgendwie gut finden sollst, um Dir das Leben nicht zu erschweren. Aber ich denke, dass viele von uns und vielleicht auch Du tatsächlich dazu neigen, sich andauernd dazu entscheiden, sich selbst die Laune zu verhageln, obwohl uns doch ebenso die andere Entscheidungsmöglichkeit offensteht. Und das ist nun wirklich nicht nötig, auch wenn es natürlich etwas Überwindung kostet, da sich unser Ego auch allzu gern an diesen vermeintlich negativen Dingen aufhält, um sich aufzuspielen und ihnen damit eine Bedeutung gibt, die sie schlichtweg nicht haben. Oder ist es w i r k l i c h existentiell notwendig für Dich, Dich über Schneefall im März aufzuregen? Was gewinnst Du denn dadurch? Geht es Dir dadurch besser, weil Du deinem Ärger darüber Luft gemacht hast, oder könntest Du vielleicht deine Perspektive ändern, indem Du Dich entscheidest, dass auch wenn Du die Sonne vermisst, Deine Laune davon nicht abhängig zu machen? Denn mal im Ernst: Was ist denn bescheuerter, als sich über das Wetter aufzuregen? Sich immer über Tatsachen zu beschweren? Da kann man ja nur unglücklich werden. Wäre es nicht sinnvoller die Antriebskraft des Ärgers zu nutzen, um es für Dinge einzusetzen, die man tatsächlich ändern kann?

 

„Achte auf Deine Gedanken, sie sind der Anfang Deiner Taten.“

 

Ich möchte etwas von mir erzählen: Es gibt wenige Dinge, die ich wirklich nicht ausstehen kann. Aber eines davon ist die Unaufrichtigkeit vieler Menschen und auch, dass von einem erwartet wird, wenn es sich geziemt, genauso unaufrichtig zu sein. Immer, wenn mir ein solcher Mensch begegnet, der in Floskeln spricht, mich zutextet, aber im Grunde über Nichts redet, und mir sinnentleerte Komplimente macht oder Interesse an meiner Person heuchelt, bin ich alles andere als begeistert. Wenn ich dann auch noch gezwungen bin, mit einer solchen Person zu sprechen, habe ich natürlich überhaupt keine Lust darauf. Aber statt patzig zu werden und mich selbst auf ein Niveau von Negativität zu begeben, gebe ich dieser Person, bzw. dem, was sie mit entgegenbringt so wenig Wichtigkeit, dass ich dieser Sache noch nicht einmal das „Privileg“ einräumen möchte, sie zu bewerten. Ich weiche somit dem Teufelskreis von Groll aus.
Ich denke, Du verstehst, worauf ich hinaus will. Wenn ich in Resonanz mit Dingen gehe, die ich als Störend empfinde, werde ich selbst zu einem negativen Pol. Und das erzeugt dann so viel Negativität, dass mir das dann tatsächlich den ganzen Tag verderben kann, je nach dem, wie sehr ich mich entschließe, mich darüber aufzuregen. Du wirst zu der Bewertung, die du der Situation beimisst. Alles ist ein Kreis.

 

„Auch das Denken schadet bisweilen der Gesundheit“

-Aristoteles
 

Das Problem an der Sache ist: Du w i r s t tatsächlich zu diesem nörgelnden Menschen, dem diese blöden Dinge etwas ausmachen! Aber das willst Du doch gar nicht sein oder irre ich mich da? Macht es Dir Spaß, Dinge negativ zu bewerten? Ich erahne ein „aber“, doch sei Dir sicher, dass das, was in Dir da gerade dein Negativdenken schmackhaft machen will und versucht, meine Worte zu widerlegen lediglich Dein Ego ist. Natürlich klammert sich Dein Selbstverständnis daran, dass Du die Welt in Kategorien eingeteilt hast und allem einen Wert zugewiesen hast. Aber b i s t das Du? Kann Dein Weltverständnis nur innerhalb Kategorien, die zwischen „gut“ und „schlecht“ hin und herpendeln existieren?
Menschen, die beispielsweise panische Angst davor haben, nicht Teil dieser Gesellschaft zu sein und anerkannt zu sein, neigen dazu, sich zur Unaufrichtigkeit treiben zu lassen, um zu gefallen. Aber erreichen sie damit das, was sie sich wünschen? Wir Menschen haben neben unseren körperlichen Bedürfnissen ein Grundbedürfnis: Liebe. Diese Menschen wünschen sich natürlich keine oberflächlichen Bekanntschaften. Tief innen verschafft ihnen nur eine aufrichtige Anerkennung und Wertschätzung ihrer Person Erfüllung; nur leider ist das durch Unaufrichtigkeit nicht zu erreichen. Die „Freunde“ werden immer mit einem Trugbild befreundet sein und man selbst verliert sich in seiner Maske.
Das das auf Dauer nicht gesund ist, brauche ich glaube ich angesichts dieser vielen Fälle von Depressionen und anderen körperlichen und psychischen Symptomatiken, die unter anderem bei diesem Problem auftreten nicht zu erwähnen.
Diese Menschen g l a u b e n , sie sind nur wertvoll, wenn sie das darstellen, von dem sie g l a u b e n , dass es andere Menschen begeistert. Ist das wirklich so? Ist nicht bisher jedes Lügengerüst irgendwann eingekracht? Was durch dieses Phänomen entsteht ist das Gefühl, nicht wertvoll zu sein und keine wirklichen Freunde zu haben. Und damit bist Du wieder genau da, wo Du angefangen hast: Du fühlst dich minderwertig und hast keine Freunde, also musst Du etwas tun, was andere von Dir überzeugt. Leider kommen viele Menschen nicht auf den Trichter, es mit Aufrichtigkeit zu probieren…

 

„Cogito ergo sum. – Ich denke also bin ich“

– René Descartes
 

Du erschaffst Dir Deine Welt durch die Bewertung, die du Dingen und Zuständen zuweist. Es ist Deine freie Wahl, Dich von der Schwarzmalerei zu entfernen und sei sie noch so subtil, wie bei unserem weißen Märzmorgen. Denn täusche Dich nicht: Selbst so eine kleine Bewertung bleibt in deinem System haften und wird Dich noch öfter heimsuchen, als Dir und Deiner Seele lieb ist. Ich denke, es ist doch deutlich gesünder, seelischen Hausputz zu betreiben und sich die Mühe zu machen, sich selbst zu prüfen, auch wenn es angesichts der Bequemlichkeit von negativem Denken, mühsam scheint. Du kannst Dich entscheiden, Dein Älterwerden als natürlich anzunehmen, oder eben mit 50 bereits jede Menge Botox zu verbrauchen, weil Du Stunden Deiner früheren Zeit gebraucht hast, Runzelfalten zu entwickeln, da Du Dich über Dinge geärgert hast, die Du niemals im Leben ändern kannst.

Es ist Deine Wahl! Wie entscheidest Du Dich?

 
Ich wünsche Dir alles Liebe,

Deine Sophia