Eigenlob stinkt … nach Selbstliebe.

Bordüre-5In letzter Zeit begegne ich deutlich häufiger Menschen, die sagen, dass Eigenlob stinkt. Wahrscheinlich soll ich genau diesen Artikel schreiben und deshalb häuft es sich so in letzter Zeit. Letztens war ich wirklich stolz auf mich: eine fast schon nicht zu bewältigende Masse an Arbeit erledigte ich in viel kürzerer Zeit, als erst dafür vorgesehen war. Das Ergebnis war gut – und ich habe mich gefreut wie eine Schneekönigin, vor allem, da ich es mir vorher nicht so recht zutraute, denn es war wirklich enorm viel. Als ich dann aussprach: „Wow, ich hätte nicht gedacht, dass ich das so schaffe, das hab ich gut gemacht“ kam direkt jemand an, der sagte „Man lobt sich nur selbst, wenn einen sonst niemand lobt.“. Du kannst Dir wahrscheinlich vorstellen, dass ich darüber doch einigermaßen verärgert war. Ich fragte mich wieso man sich denn nicht selbst loben solle, gerade wenn man über sich selbst hinausgewachsen ist? Bei diesem Gedanken verwandelte sich mein Ärger augenblicklich in Mitleid. Mitleid für Menschen, die sich selbst niemals genügen.

 

„Menschen, die sich oft vor anderen schämen, sind unfrei, lieben sich nicht, neigen zur Verschmelzung mit idealisierten Bezugspersonen – und zur Depression. Ihre Wunde ist die der Ungeliebten.“

-Peter Schellenbaum
 

…und Selbstgerechtigkeit wohl auch. Es ist ja für uns kein Geheimnis, dass diese Neigung, über andere zu richten nicht von ungefähr kommt. Dabei muss es nicht einmal ein direktes Richten sein, es genügt lediglich eine Beurteilung dessen, was ein anderer tut oder nicht tut und wie er es tut…wie z.B. sich selbst zu loben. Und dies entsteht aus der Ablehnung sich selbst gegenüber. Herabstufung anderer und Richten über andere ist ein Resultat dessen, sich selbst nicht genug zu sein. Richten und kategorisieren anderer hilft, sich selbst trotzdem als ein halbwegs wertvolles Individuum zu begreifen. Zu sehen wo man selbst steht – und Du siehst, dass der Punkt, an dem man selbst steht natürlich von der Bewertung anderer in diesem Falle abhängt. Wenn man sich selbst als schlecht begreift, muss man andere noch schlechter machen, damit man sich besser fühlen kann. Der einzige Weg aus dem Leid scheint zu sein, anderen das zu versagen, was man sich selbst versagt und andere abzuwerten, wo man sich selbst abwertet. Um zurück auf das Eigenlob zu kommen: Diese Menschen gönnen sich selbst so wenig, dass sie darunter enorme Schmerzen erleiden. Wer sich selbst nie lobt und anerkennt, der wird auch nie an einem Punkt angekommen sein, wo er seinen Fortschritt sieht, seine Handlungen als richtig bereifen kann, sich wohl in seiner Haut fühlen kann. Dieser Mensch wird also nie bei sich selbst ankommen – und das hat er selbst so gewählt.

 

„Wer sich selbst nicht liebt, dem sind alle suspekt, die ihn lieben.“

-Andreas Tenzer
 

Die Tragik dieser Menschen ist, dass das, was sie am meisten brauchen, genau das ist, was sie sich versagen und für das sie so lange blind sein werden, bis sie ihre Perspektive ändern. Bringt man diesen Menschen Achtung und Lob entgegen, so werden sie es nicht verstehen, da sie sich entschieden haben, taub zu sein. Sie werten es ab und sprechen Dir gleichzeitig auch jegliches Recht ab, es anders zu machen. Für sie bist Du egoistisch und selbstverliebt. Dabei steht hier der Egoismus auf der ganz anderen Seite. Diese Form der Selbstgerechtigkeit verdirbt die Umwelt dieser Menschen: keiner ist wirklich gerne mit ihnen zusammen, seien sie noch so nett. Und verletzend auf die Menschen, die einen wirklich schätzen ist dieses Verhalten obendrein noch. Der chronische Verlust von Menschen, die einen lieben ist vorprogrammiert! Selbsthass ist ein fürchterliches Virus, welches das ganze Leben zerstören kann. Nichts, was geschieht ist gut genug, nichts wird anerkannt, und… es kommt nichts zurück. Das ist eine todsichere Methode, seine Weltsicht und seinen Teufelskreis aus nicht-gut-genug-sein bestätigt zu sehen. Und das tückische daran ist: es ist die beste Methode immer weiter im Selbstmitleid zu versinken. „Die dumme, selbstverliebte Welt, jeder hält sich für etwas besonderes dabei ist einer so bescheuert wie der andere. zum Glück hab ich das begriffen und weiß das ich nichts super tolles bin.“ – das kann zu einem sehr gefährlichen Glaubenssatz werden. Und das macht Dich kaputt und zerstört Dein Leben – bis Du Dich anders entscheidest.

 

„Ein Schritt zu Deinem eigenen Herzen ist ein Schritt zu dem Geliebten.“

-Rumi
 

Hast Du Dich wiedererkannt? Kennst Du vielleicht solche Menschen? Es ist wie ein Gefängnis: ein negativer Gedankenstrudel, ein Käfig aus lauter Vorhängen, die dir zeigen, wie deine Welt ist. Du gestaltest diese Vorhänge. Es ist das Resultat Deiner Gedanken, Deiner Selbstwahrnehmung, was auf diesen Vorhängen zu sehen ist. Jeder von uns hat diese Vorhänge und unser aller Ziel ist natürlich, diese Vorhänge zur Seite zu schieben, um die Welt dahinter zu sehen. Jedoch werden wir oft mit unseren Vorhängen konfrontiert. Wie die aussehen, ist immer unterschiedlich. Aber Du kannst davon ausgehen, dass die Vorhänge eines Menschen, der sich selbst Liebe versagt, dunkel und unansehnlich sind. Andere sehen in ihm Potential, einen tollen, liebenswerten Menschen, wenn er es jedoch nicht zulassen, ja sogar abwehren muss, hat niemand eine Chance durch dieses Gedankengerüst, ja Lügengerüst sogar, zu ihm vorzudringen.
Falls Du selbst gefangen bist in einem negativen Gedankenstrudel, dann schaffe Dir Erlebnisse, durch die Du stolz auf dich sein kannst. Der erste Schritt jedoch besteht darin, das Du erkennst, worin Du verstrickt bist und den aufrichtigen Wunsch, nicht mehr unter diesem Leid dahinzuvegetieren. Der erste Schritt ist, wie bei allem die Bereitschaft zur Veränderung!
Falls Du jemanden kennst, der in einer solchen Lage feststeckt, so kannst Du natürlich versuchen, ihn darauf aufmerksam zu machen, ihn liebevoll heranführen an diese Thematik. Versuchen ihm geduldig die Augen zu öffnen. Aber akzeptiere und verstehe, dass dieser Mensch sein Leid s e l b s t gewählt hat! Wenn er es nicht verstehen will, wirst Du es schnell merken. Wenn er absolut nicht bereit ist, dann kannst Du für ihn da sein, jedoch ihn durch sein Leid zu führen, das wirst Du nicht können. Nimm diese Last erst gar nicht auf Dich. Jeder glaubt das, was er glauben will und wenn jemand glaubt, er sei „es nicht wert“, dann respektiere diese Entscheidung.

 

„Wer sich selber hasst, den haben wir zu fürchten, denn wir werden die Opfer seines Grolls und seiner Rache sein. Sehen wir also zu, wie wir ihn zur Liebe zu sich selbst verführen!“

-Friedrich Nietzsche
 

Ich sprach von Erfolgserlebnissen, die Du Dir selbst schaffen kannst. Viele Menschen versuchen aus ihrem Unglück, sich zur Selbstliebe zu zwingen. Dabei ist es mit der Selbstliebe wie mit der Liebe zu einem anderen Menschen: wenn es nicht funkt, dann machst Du Dich noch mehr kaputt, als Du es schon vorher warst. Unter Zwang funktioniert in der persönlichen Entwicklung sowieso nichts wirklich. Wie willst Du etwas erreichen, wenn Du an das zu Erreichende nicht im Geringsten glaubst? Zunächst solltest Du verstehen, dass jeder andere Mensch auch seine Zweifel und Unsicherheiten hat. Jeder Mensch sehnt sich nach Anerkennung und Bestätigung. Das ist uns angeboren. Jeder Mensch braucht mal das „okay“, dass seine Lebensweise richtig ist und etwas, woran er sich messen kann. Und es ist nichts besonderes, zu zweifeln. Selbstsicher wirkende Menschen zweifeln manchmal sogar noch mehr, als die, die Unsicherheiten offen zugeben. Oft lässt man sich von solchen Faktoren einfach täuschen. Also: Du bist nicht alleine. Vielen Menschen geht es so! Es ist okay und menschlich, unsicher zu sein. Gerade wenn man das Gefühl hat, in dieser Leistungsgesellschaft nicht bestehen zu können, das kennen wir alle! Selbst die „Gewinner-Typen“, denen alles zufliegt haben Versagensängste, wie jeder andere auch, sie zeigen es nur anders. Wenn Du diesen Gedanken an Dich heranlassen kannst, hast Du schon einen großen Schritt getan.

 

„Alle Liebe dieser Welt ist auf Eigenliebe gebaut.“

-Eckart Tolle
 

Der zweite Schritt ist, anzuerkennen, wo man gerade steht und Freunde zu bitten, einen realistisch einzuschätzen. Das erfordert die Bereitschaft, den Freunden keine egoistischen Motive zu unterstellen, durch die sie sich über dich stellen möchten und das Ergebnis wird positiver sein, als Du Dir vorstellen kannst. Versuche es nachzuvollziehen, versuche, ein Gespür für das zu entwickeln, was Du geschafft hast und wer Du bist. Werte nicht: alles, was jetzt ist, ist Resultat dessen, was Du getan und gedacht hast! Es ist schon längst passiert, egal wie Du das jetzt bewertest. Indem Du es anerkennst, dass es ist, wie es ist, ebnest Du den Weg zur Veränderung. Egal wie schlimm es sein mag, bleibe dabei, jetzt ist der Zeitpunkt, das zu ändern, womit Du unzufrieden bist und das bist Du selbst!
Hast Du es für Dich akzeptiert, wo Du gerade in Deinem Leben stehst (das bedeutet nicht, dass Du das gut finden sollst, wo Du gerade stehst, denn sonst gäbe es ja auch keinen Grund zur Veränderung!), dann kannst Du einschätzen, wo Du Dir Erfolgserlebnisse verschaffen kannst. Du kannst z.B. etwas tun, was Du nie getan hast. Wenn Du z.B. eine besonders schwierige Torte bäckst oder Dich fit für einen Marathonlauf machst – es ist völlig egal, was Dein Ziel ist. Wichtig ist, dass Du etwas über Dich hinauswachsen musst, um es zu erreichen. Mach es verbindlich fest: melde Dich zum Marathon an oder besuche einen Kochkurs. Mache es offiziell, damit Du nicht in Ausreden, wie „Das mach ich doch eh nur, weil ne Lebensgeister-Tante das gesagt hat und eigentlich ist es doch eh sinnlos, bekommt ja keiner mit.“,flüchten kannst. Achtung-Fertig-Los!

 

„Liebe dich selbst, dann finden dich auch die anderen begehrenswert.“

 

Ob Du nun der „Beste“ warst oder nicht ist völlig zweitrangig. Um das zu erreichen, was Du erreicht hast, bist Du über Dich selbst hinausgewachsen. Selbst wenn du Letzter warst, Du hast trainiert, deinen Körper in einen Zustand versetzt, in dem er schon lange nicht mehr war und das hast Du erreicht! Du alleine. Wenn Du dabei bleibst, kannst du immer besser werden, die Einstellung dazu ist das, was wirklich zählt. Setze Dir selbst Maßstäbe oder lass Dir dabei helfen, damit Du nicht wieder in das „Ich bin erst dann lobenswert, wenn ich den Mount Everest im T-Shirt bestiegen habe.“-Gedankenmuster zurückfällst. Vielleicht gewinnst Du auch einen Marathon nach dem anderen oder backst die leckerste Torte, die deine Familie jemals gegessen hat. Glaub mir, sie werden Deinen Enthusiasmus beim Backen mit Freude verfolgen, denn was mit Freude geschieht, erntet auch Freude und Anerkennung. Liebst Du Deine Arbeit, kommt als Echo auf Deine Arbeit Liebe zurück! Deine Umwelt wird von Deinem Enthusiasmus angesteckt und werden beginnen, Dich zu unterstützen, egal, welches Ziel Du Dir gesetzt hast. Der schönste Nebeneffekt Deiner Selbstachtung ist: andere dürfen Dich endlich auch mögen!
Natürlich ist es nicht besonders realistisch, dass Du jetzt auch die / der weltbeste Marathonläufer wirst, aber darum geht es auch nicht. Hier geht es darum, dass Du beginnst, Dich mit dem was Du bist und mit dem, was Du tust zu lieben und zu schätzen. Denn es ist wirklich g r o ß a r t i g, was Du tust! Es ist wunderschön zu sehen, wie Du klein anfängst, die ersten, zaghaften Schritte tust und langsam beginnst, durch Deine positive Einstellung Auftrieb zu gewinnen. Dieser negative Gedankenstrudel funktioniert nämlich auch anders herum. Wenn Du dazu stehst ein unerfahrener Koch zu sein und Wochen später die tollsten Tortenkreationen auf die Beine stellst, spätestens dann wirst auch Du einen Grund haben, anzuerkennen, dass Du etwas tolles geschafft hast. Oder sind leckere Torten etwa auch etwas schlechtes…?

 
Maßstäbe sind dazu da, Dir die Möglichkeit zu geben, innezuhalten und zu sehen, was Du tolles geschafft hast. Verhalte Dich nicht so, als würden die Maßstäbe äquivalent zu Deiner Leistung und Deiner Persönlichkeit vor Dir weglaufen. Dein Leben will von Dir gelebt werden und nur Du selbst bist Dein größter Tyrann, wenn Du das willst. Was wie? Willst Du etwa nicht? Na dann auf, liebe und lobe Dich selbst und beginne einen positiven Gedankenstrudel…

 
 
Alles Gute und viel Kraft

 
Deine Sophia