Eine Freundschaft loszulassen…

Bordüre-6.1…ist eines der schwersten Dinge überhaupt.
Als meine kleine Schwester neulich betrübt und schniefend nach Hause kam fragte ich sie, was denn passiert sei. Sie erzählte mir, dass sie in der Schule einer Freundin unbeabsichtigt auf die Füße getreten sei und sie damit verärgert habe. Aber auf jeden Versuch von ihr, sich zu entschuldigen, reagierte ihre Freundin allerdings mit Ablehnung. Dabei handelte es sich wirklich um eine Lappalie.
Na klar – Kinder streiten sich oft aufgrund von Lappalien, aber sind wir Erwachsenen da so anders? Ich bin sicher, Du kennst es genauso, oder? Ein trotziger Freund oder eine Freundin, die sich einfach quer stellt, Deine Entschuldigung anzunehmen? Dir kann ich natürlich einfach erklären, dass es sich dabei um ein völlig überflüssiges Machtspielchen handelt und Du mitspielst und sein Ego fütterst, je öfter Du Dich weiter bei Deinem Freund entschuldigst. Meiner Schwester konnte ich das leider nicht so leicht erklären.
Fakt ist: Jemand, der sich wiederholt querstellt, Dich zappeln lässt, eher gegen als für Eure Freundschaft arbeitet, ist ganz klar kein guter Freund. Das zählt bei Kindern gleichermaßen wie bei Erwachsenen. Ein sogenannter Freund, der wissentlich dafür sorgt, dass es Dir schlecht geht, ist nicht wirklich Dein Freund. Und das versteht sogar jedes Kind.

 

„Lass los, was deinem Glück im Wege steht“

 

…ist hier ein wirklich treffendes Zitat. Natürlich mag man diesen Menschen. Natürlich versteht man nicht, wieso er sich so verhalten muss, bzw. man versteht, dass es nicht nötig ist, sich so zu verhalten. Natürlich möchte man mit diesem Menschen befreundet sein und die Freundschaft aufrecht erhalten. Ich sagte meiner Schwester also, dass sie es sich gut überlegen solle, ob jemand, der es darauf anlegt, dass es ihr schlecht geht wirklich ihr Freund sein kann und sollte. Und dass, auch wenn es weh tut, es manchmal besser ist, einen Freund gehen zu lassen, weil er sich anscheinend einfach nicht für die Freundschaft interessiert und einen – in ihrem Fall – lieber benutzt, als einfach Spaß miteinander zu haben.
Ich kam also durch meine kleine, traurige Schwester dazu, mir zu überlegen, was eigentlich sichere Anzeichen dafür sind, dass es Zeit ist, eine Freundschaft gehen zu lassen, bzw. falls nötig auch offen zu beenden. Auch ich habe die bittere Erfahrung durchlebt, wie es ist, seinen jahrelangen besten Freund gehen lassen zu müssen.

Wenn auch Du Dich momentan fragst, ob Dein Freund oder Deine Freundin überhaupt noch Lust auf Eure Freundschaft hat oder Du eigentlich schon weißt, dass es Zeit ist, diese Freundschaft abzuhaken aber den Absprung nicht richtig schaffst, dann möchte ich Dir hier ein paar Anhaltspunkte liefern, ernsthaft darüber nachzudenken.

 

• Du hast das Gefühl, die andere Person kann sich nicht mit Dir freuen.

Eine Freundschaft entsteht nicht zwingend durch Gemeinsamkeiten – meine beste Freundin und ich finden sogar meistens das gut, was der andere nicht so gut findet. Aber das bedeutet keineswegs, dass wir uns nicht für den anderen freuen können, wenn er sich freut. Man muss es ja nicht verstehen, um sich zu freuen oder? Allein, dass sich Dein Freund freut, kann doch schon Grund genug sein, sich einfach mit ihm zu freuen oder? Also ich würde mich immer für meine Freundin freuen, wenn sie Karten für ein Hip-Hop Konzert hat, auch wenn ich Sie darum bitten würde, vielleicht jemanden mitzunehmen, der ihre Leidenschaft für diese Musik teilt. Wenn Dein Freund oder Deine Freundin sich irgendwie nicht so recht mit Dir freuen kann, oder noch schlimmer: wenn Deine Freude abgewertet wird, kann ich Dich nur warnen: diese Freundschaft wird Dir sicherlich nicht gut tun!

 

• Wenn Du mit Deinem Freund sprichst oder Ihr in einer Gruppe sprecht, hast Du das Gefühl, Dein Freund versucht Dich zu „übertrumpfen“ und besser als Du dazustehen.

Ja ja – das gute alte Ego. In einer Freundschaft ist es unabdinglich, zu akzeptieren, wo der andere steht und was er für eine Meinung hat. Es mag auch faktisch richtig sein, dass Dein Freund Dir oder Du ihm in manchen Dingen überlegen bist. Mein bester Freund beispielsweise ist ein unglaublich guter Schlagzeuger. Wenn ich nun sage, dass mir ein Schlagzeugsolo besser gefällt als das andere, wäre mein Freund der letzte Mensch auf Erden, der sich darüber lustig machen würde, wenn das Solo, welches ich gut finde vollkommen dilettantisch gespielt wurde. Mein anderer Freund ist sehr klug und weiß enorm viel. Aber anstatt andere damit aufzuziehen, wie wenig sie wissen, wird er Lehrer, damit andere davon profitieren können. Viele Menschen machen aber genau das Gegenteil. Sie fühlen Sich überlegen? Sie lassen es Dich und den Rest der Welt gleich mitwissen. Da sie ja auch jeden (inklusive sich selbst) davon überzeugen müssen, wie viel besser und schlauer sie als andere sind. Schlimmstenfalls stellt Dich Dein Freund vor anderen bloß. Natürlich weiß ich, dass manche Freundschaften auch aus vielen Frotzeleien bestehen, dennoch gibt es eine Grenze und die ist da, wo Du Dich bloßgestellt und peinlich berührt fühlst. Achtet Dein Freund diese Grenze nicht, sprich mit ihm. An seiner Reaktion wirst Du sehen können, ob sich diese Freundschaft noch lohnt.

 

• Du hast das Gefühl, Dein Freund saugt Dir Energie ab.

Ja, Freundschaften können und dürfen auch mal anstrengend sein. Steckt Dein Freund in einer Krise, hilfst Du ihm unter Einsatz Deiner Kräfte so gut Du kannst. So machen das Freunde nunmal, auch wenn es anstrengend ist. Hast Du aber ständig das Gefühl, dass Dein Freund ein „Energiesauger“ ist, kannst Du Dich zu Recht fragen, ob er oder sie Dich eventuell benutzt, um eigenen Ballast abzuwerfen, sich in negativen Gedankenmustern bestätigt zu fühlen, nur über sich selbst zu reden, zu lamentieren und so weiter. Es gibt einen ganzen Rattenschwanz an Situationen, in der sich eine Freundschaft eher in die Richtung bewegt, die Dich eher Energie kostet, als Dir ein positives Gefühl zurückzugeben. Ist das eher die Regel, als die Ausnahme, solltest Du Dir überlegen, ob sich daran etwas ändern lässt und selbst wenn nicht: auf jeden Fall Konsequenzen für Dich daraus zu ziehen. Hab keine Angst, das anzusprechen: ich musste meiner Freundin auch sagen, dass ich kein seelischer Mülleimer bin, auch wenn ich mich viel mit der Seele beschäftige. Sie hat es sich wirklich zu Herzen genommen und durch weniger beschweren ist es nun viel leichter. Ich bin lieber mit ihr zusammen und sie auch lieber mit mir.

 

• Du fühlst Dich von Deinem Freund unverstanden oder in die Ecke gedrängt, in Schubladen gesteckt oder verurteilt.

Es ist in einer Freundschaft wie in einer Liebesbeziehung: sie ist buchstäblich zum Scheitern verurteilt, wenn man versucht, den anderen passend zu machen und ihm einen Stempel aufzudrücken. Über dieses Thema alleine könnte ich 10 Artikel schreiben. Fakt ist: wenn Du anders reagierst, als Dein Freund erwartet, wenn Du anders aussiehst, als Dein Freund erwartet und Dich auch einmal anders fühlst, als Dein Freund sich das wünscht – wann immer Du nicht seiner Erwartung entsprichst, achte auf seine Reaktion. Sie muss nicht zwangsläufig positiv ausfallen, aber abwerten, klein machen und verurteilen gehört an dieser Stelle nicht zu den Aufgaben eines wirklichen Freundes. Trägst Du einmal eben Jogginghosen, statt schicke Kleider, um shoppen zu gehen, sollte Dein Freund es hinnehmen und tolerieren, dass Dir heute eben nach Bequemlichkeit ist. Sagst Du ein Treffen ab, weil Du Dich nicht so gut fühlst, solltest Du Dich keinesfalls als „der- oder diejenige die immer was hat“ abstempeln lassen. Drückst Du Dich sprachlich anders aus, als Dein Freund, solltest Du weder der Klugscheißer, noch der Legastheniker sein müssen. Bist Du eben etwas ungeschickter, als andere Menschen, sollten Deine Freunde das als Deinen Fehler akzeptieren und Dir nicht das Gefühl geben, der Idiot zu sein, der immer irgendwas kaputt macht. Diese Problematik ergibt sich auch oft in Freundeskreisen, die sich über etwas bestimmtes definieren. Dazu zählen z.B. Themengruppen oder sogenannte Cliquen, die sich regelmäßig treffen und abweisend reagieren, wenn jemand eine alternative Sichtweise anführt. Ich fragte einmal den Ortspfarrer, was für ihn Gott sei und er antwortete „Einfach nur die Liebe“. Andere würden ihn dafür an den Pranger stellen, allesamt Vertreter der Spezies der Verurteilenden. Diese solltest Du bitte nicht zu Deinen Freunden zählen.

 

• Du fühlst Dich von Deinem Freund verletzt.

Es kommt in den besten Freundschaften vor, dass man mal ins Fettnäpfchen tritt. Das man einem Freund eine Wahrheit sagen muss und sie ihn verletzt. Dennoch gibt es da erhebliche Unterschiede. Chuck Spezzano schrieb ein wundervolles Buch mit dem Titel „Wenn es verletzt, ist es keine Liebe“. Eine Wahrheit kann Dich natürlich auch verletzen, aber dann ist es wahrscheinlich weniger Dein Freund, der Dich verletzt, sondern die Tatsache, dass Du selbst falsche Dinge geglaubt oder erwartet hast. Es gibt aber auch die Sorte Mensch, die Dir pausenlos Deine Fehler auf die Nase bindet, weil sie selbst ein Problem mit ihren Fehlern hat. Oder sich von Deinem Selbstverständnis vielleicht sogar bedroht fühlt. Ich kenne dieses Problem selbst ganz gut. Manchmal ist es schwer für Menschen, zu akzeptieren, dass andere eben auch dementsprechend andere Prioritäten haben. Für mich mag es wichtig sein, mich mithilfe von Fachbüchern weiterzubilden. Aber es ist definitiv falsch, meinen Freund als dumm und nutzlos zu bezeichnen, weil er nicht meine Vorstellung von dem erfüllt, wie man sein Leben sinnvoll nutzt, da er lieber Videospiele spielt und Lesen nicht mag. In diesem Falle projiziert man. Aber glücklicherweise lässt sich diese Problematik meist mit offenen Gesprächen und dem Willen zur Aufrichtigkeit sich selbst und dem Anderen gegenüber aus der Welt schaffen. Wenn nicht – dann sollte man darüber nachdenken, die Freundschaft nicht mehr weiterzuführen, denn nur wenn beide arbeiten kommt sie voran.

 

• Du bemerkst, dass Dein Freund Dich immer wieder in Lästereien verwickelt und mit Dir schlecht über andere reden möchte.

Auch wenn es so scheint: die gleichen Menschen doof zu finden ist vielleicht eine Gemeinsamkeit aber sie wird Euch einander nicht näher bringen. Hier greift wieder das Prinzip „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“ und das ist absolut falsch. Nur weil Ihr dieselben Leute oder auch Dinge nicht mögt, gewinnt ihr dadurch nichts Produktives für Eure Freundschaft. Im Gegenteil, Du lässt Dich von Deinem Freund benutzen, um sein Ego zu stärken, denn nur jemand mit starken Ich-Konflikten benutzt andere, um sich besser zu fühlen. Und überlege Dir: wärest Du denn sicher, dass er nicht auch bei anderen schlecht über Dich spricht? Würdest Du nicht bei seinen Lästereien mitmachen wäre das sicherlich der Fall, also überlege Dir gut, ob eine Freundschaft daraus bestehen sollte, Gemeinsamkeiten zu erzeugen, indem man sich über andere stellt.

 

• Du fühlst Dich traurig, wütend, leer oder angespannt während oder nach einem Treffen mit Deinem Freund.

Warnsignal! Auch hier gilt die Regel der Energiesauger. Zu viel Negativität in einer Freundschaft belastet zu sehr. Hier solltest Du natürlich auch nach Ursachen forschen. Am besten gemeinsam mit Deinem Freund? Falls er oder sie sich da quer stellt kannst Du Dir ziemlich sicher sein, dass Dein Freund kein wirklich ehrliches Interesse an der Freundschaft hat. Denn eine Freundschaft ist wie eine Liebesbeziehung. Auch hier muss man tatsächlich arbeiten und zwar gemeinsam. Ihr solltet offen und ehrlich diskutieren können, was genau diese Probleme verursacht. Auch hier ist Vorsicht geboten: Schuld hat hier nichts verloren! Gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten hat nichts damit zu tun, mit dem Finger auf den Anderen zu weisen und Schuld zuzusprechen.

 

• Dein Freund lässt Dich sitzen und vertröstet Dich andauernd.

Es gibt Situationen und Zustände, wie beispielsweise eine Krankheit oder seelische bzw. psychische Beschwerden, die natürlich oft und über lange Zeiträume dafür sorgen, dass man sich selten sieht, vertröstet oder sogar versetzt wird. Und auch wenn man sehr gestresst oder einfach nur vergesslich ist, kommt auch das in den besten Freundschaften vor! Auch hier kommt es natürlich auf den Unterton an. Weicht Dein Freund Dir vielleicht einfach aus? Wirkt er, als wolle er sich herausreden, wenn er Dir absagt? Sagt er vielleicht zum 5. Mal einfach überhaupt nicht ab und lässt Dich auflaufen? Das ist natürlich absolut nicht okay. Wenn Deinem Freund etwas an eurer Freundschaft liegt, wird er oder sie es ändern oder auch einfach mal zugeben, keine Lust zu haben. Das war für meine Freunde anfangs etwas ungewöhnlich aber nun wissen sie, dass es nichts mit ihnen zu tun hat, wenn ich einfach sage, dass ich keine Lust habe. Und das steckt sogar an: ich habe auch oft zu hören bekommen, dass ein Freund keine Lust hat, aus dem Bett zu kommen. Und niemand ist böse deswegen. Nur jemand, der nicht wirkliches Interesse an Eurer gemeinsamen Freundschaft hat, wird Dir das Recht absprechen, auch einfach mal keine Lust zu haben. Nur in Gegenwart von jemand, der nicht wirklich Dein Freund ist, wirst Du Dich genötigt fühlen, Ausreden überhaupt zu erfinden.

 

• Dein Freund belügt Dich.

Womit wir natürlich bei der Königsdisziplin einer jeden Freundschaft sind. Ehrlichkeit. Auch sich selbst gegenüber ehrlich zu sein, Fehler zugeben zu können zählt gleichermaßen dazu, wie die Ehrlichkeit (gegenüber) der anderen Person. Denn nur wer sich selbst gegenüber ehrlich sein kann, kann sich vor anderen ehrlich zeigen. Deine Ehrlichkeit begründet sich natürlich im hohen Maße durch Deine Selbstakzeptanz. Wenn Du selbst Deine Fehler, Ängste und Mängel nicht akzeptieren kannst, wie könntest Du dann vor anderen zu ihnen stehen? Vor einem wirklichen Freund kann man sich vollkommen fehlerhaft und so wie man ist präsentieren. Ich persönlich habe das Gefühl, mich in Gegenwart eines Menschen der einfach zu sich und seinen Fehlern steht, auch eben so zeigen zu können. Geht es Dir da nicht genauso? Also – musst Du Dich verstellen und wird sich vor Dir verstellt oder sogar mit voller Absicht belogen, dann weißt Du im Grunde ja gar nicht, mit wem Du da eigentlich befreundet bist, oder?

 

• Du fühlst Dich, als würdest Du Dich in der Gegenwart Deines Freundes verändern und Dich weniger selbst wahrnehmen als sonst.

Das ist ein weiterer Punkt, der direkt mit der Ehrlichkeit zusammenhängt. Wenn eine Freundschaft nicht auf Authentizität sondern auf mehr Schein als Sein basiert, so bekommst Du zwangsläufig dieses Gefühl. Ich hatte mal eine Freundin, die sich wirklich sehr für Mode und Aussehen begeisterte. Auch ich mag schöne Kleider, keine Frage, aber wir beide gaben diesem Thema in unserem Leben doch deutlich unterschiedliche Stellenwerte. Die Freundschaft konnte sich nie weiterentwickeln, weil Sie mir versuchte das Gefühl zu geben, dass Mode nicht ihr Lieblingsthema ist und ich versuchte mich vor ihr mehr für das Thema zu interessieren, als ich es in Wirklichkeit tat. Und ich bin mir absolut sicher, dass Du das auch kennst. Wir alle haben diese „Freundschaften“, die recht oberflächlich sind und eigentlich nur daraus bestehen, dass man aktiv nach Gesprächsthemen sucht, in der Hoffnung, etwas zu sagen, was dem anderen gefällt. Wer ein Mensch ist, der sich viel und gerne in Gesellschaft bewegt, ist das auch soweit nicht verkehrt. Wenn das allerdings geschieht, um eine Freundschaft daraus zu formen oder eine bestehende Freundschaft aufrecht zu erhalten, so wird Dich das auf Dauer mehr Energie kosten, als es Dir irgend etwas Gutes bringt. Spätestens wenn Du Dich ausgelaugt von dieser Person fühlst oder es zu Reibereien wegen zu wenigen Gemeinsamkeiten oder Unaufrichtigkeiten kommt, ist es Zeit weiterzuziehen und zu akzeptieren, dass auch manchmal einfach nicht die Chemie stimmt.

 

• Du hast Angst, Deinen Freund zu enttäuschen.

Ent-täuschung kann nur passieren, wenn eine Täuschung vorliegt. Nicht den Erwartungen zu entsprechen ist nicht Dein Problem – es ist das Problem desjenigen, der erwartet hat. Solange Du Dich gibst wie Du bist, ist alles in Ordnung. Ist Dein Freund dadurch enttäuscht – nun Du weißt sicher selbst, dass diese Freundschaft absolut keinen Sinn macht, weil Du Dich sonst seinen Erwartungen entsprechend verbiegen müsstest. Aber eine Freundschaft soll für beide beteiligten etwas Schönes sein! Also: ein wahrer Freund akzeptiert Dich wie Du bist. Deshalb solltest Du Dich nicht davor fürchten, Deinen Freund zu enttäuschen. Falls er Dir aber schon ab und an subtile Abneigung gegenüber dem was du sagst oder tust, zeigt oder Dir schon einmal sagte, dass Du ihn oder sie enttäuscht hast und Du Dich jetzt davor fürchtest, ihn zu enttäuschen, fängst Du an, Dich zu verstellen. Und wie vorher beschrieben: da hilft eigentlich nur eine offene Konfrontation bevor diese Freundschaft vielmehr zu einem unsinnigen Spiel ausartet.

 

• Ihr unternehmt immer, was Deinem Freund gefällt, aber selten das, was Dir gefällt.

Es mag natürlich sein, dass Du anspruchslos bist, schwer Entscheidungen fällen kannst und ihr ohnehin sehr viel gemeinsam habt. Fühlst Du Dich aber ständig übergangen, herabgesetzt und benachteiligt, sammelt sich bei Dir jede Menge Frust an, die sich wahrscheinlich irgendwann in einem Streit entlädt. Um das zu vermeiden solltest Du natürlich immer offen über Deine Wünsche sprechen. Zählen diese allerdings für Deinen Freund nicht, kannst Du Dir recht sicher sein, dass Du für ihn oder sie einfach ein Mittel zum Zweck bist. Das Dein Freund einfach nur eine Begleitung sucht, die Dinge zu tun, die ihm Spaß machen und Du dabei höchstwahrscheinlich austauschbar bist. Na ja…Du musst selbst entscheiden, ob Dir diese Rolle gefällt aber ich rate Dir: lass das los und suche Dir jemanden, der Interesse an Deinem Leben zeigt!

 

• Ihr habt euch nichts zu erzählen.

Manchmal ist es besser zu akzeptieren, dass man sich entweder auseinandergelebt hat oder eben die Chemie von Anfang an nicht stimmte, als dass Du an diesem Punkt versuchst, krampfhaft nach Themen zu suchen, die die Illusion einer Freundschaft aufrecht erhalten. Die meisten Freunde treffen sich dann noch regelmäßig zum Filme ansehen oder Ähnlichem, was natürlich eine feine Beschäftigung ist. Aber wenn man sehr viel Energie und Zeit investiert, um etwas zu halten, was eigentlich nicht mehr zu halten ist, ist es wirklich besser, loszulassen. Sich nicht mehr wirklich etwas zu sagen zu haben ist, wie ich finde, eines der deutlichsten Zeichen davon. Eine solche Freundschaft ist auf Dauer einfach anstrengend. Übrigens zeichnet sich eine wirklich gute Freundschaft auch insbesondere dadurch aus, dass man zu jeder Zeit über alles mögliche sprechen kann, genauso gut aber auch schweigen kann, ohne, dass die Stille unangenehm wird.

 

• Der Kontakt wird nur von einer Seite aufrecht erhalten.

Der Klassiker: Du telefonierst, schreibst und chattest Deinem Freund oder Deiner Freundin hinterher, was das Zeug hält. Man bekundet sich gegenseitig den umwerfend starken Wunsch, sich sobald wie möglich wieder zu sehen, da man sich vermisst und…es passiert nichts. Also hakst Du nach, bekommst dann aber erst nach 4 Wochen eine Antwort, da Dein Freund so sehr beschäftigt war. Natürlich kann das durchaus passieren, aber Zeit für zwei, drei Worte, eine SMS, einen kurzen Anruf ist ja eigentlich immer oder? Ich hatte nun über Jahre hinweg eine sehr gute Freundschaft, bis es darin gipfelte, dass wirklich nur noch ich fragte, anrief oder schrieb und wenn dann eine Antwort kam, bekam ich das überaus unangenehme Gefühl eigentlich mehr zu nerven und unerwünscht zu sein, als alles andere. Und so sollte sich jemand, der mein Freund ist zumindest nicht fühlen müssen. Die meisten Menschen haben ein Problem damit, zuzugeben, dass sie einfach keine Energie, Interesse, Lust etc. mehr in diese Freundschaft investieren möchten. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben aber Fakt ist: Wenn der Kontakt über Monate oder sogar Jahre hinweg nur von einer Person gehalten wird, ist es dann auch mal an der Zeit, den Kontakt einzustellen oder eben wenn Du Dich danach fühlst, der Freundin oder dem Freund ganz klar zu sagen, was Du davon hältst und schauen ob sich etwas ändert. Hoffe nicht zu viel, diese einseitigen Freundschaften bedeuten meist wirklich, dass der andere kein wirkliches Interesse mehr hat. Und egal, wie schön die Zeit war, die ihr zusammen hattet, es ist dann wirklich Zeit diese Freundschaft gehen zu lassen. Vielleicht meldet sich der oder die andere noch mal, vielleicht aber auch nicht. Es ist schwer aber absolut nötig für Dich zu akzeptieren, dass eine Freundschaft, die nur aus hinterherrennen besteht, einfach nicht mehr da ist und damit abzuschließen.

 

Eine Freundschaft, wie auch eine Liebesbeziehung überlebt nicht, solange das Ego größer ist. Und sie überlebt nicht ohne wahres Interesse, Ehrlichkeit und Akzeptanz. Das ist meine Faustregel und man erkennt die Qualität der Freundschaft schlicht und ergreifend darin, wie gut man sich mit seinem Freund oder seiner Freundin fühlt.
Vielleicht findest Du Dich bzw. ein paar Deiner Freundschaften in diesen Punkten wieder? Natürlich liegt es nur an Dir, zu beurteilen, wenn es Zeit ist, die Freundschaft gehen zu lassen, bzw. zu beenden. Aber eine Sache ist sicher: sie sollte Dich auf keinen Fall dauerhaft herunterziehen, sodass Du anfängst, fürchterlich darunter zu leiden. Eine Freundschaft bedeutet nicht Leid. Es bedeutet füreinander da sein und das um Eurer Selbst willen, nicht weil man sich etwas davon verspricht. Eine Freundschaft ist wirklich eine Freundschaft, wenn man sich völlig entblößen kann und einem seine Fehler nicht peinlich sein müssen. Ein Freund verurteilt Dich nicht und zeigt Dir sein Interesse. Mit einem Freund kann man wunderbar schweigen und ist trotzdem bestens unterhalten.

 

„Ich erkenne die Freundschaft daran, dass sie sich nicht enttäuschen lässt, und ich erkenne die wahre Liebe daran, dass sie nicht gekränkt werden kann.“

-Antoine de Saint-Exupéry
 

Und natürlich gilt immer: nur der kann für jemanden ein guter Freund sein, wer sich selbst ein guter Freund ist.

Viel Glück,

Deine Sophia