Interview: Künstler Jan Schelhaas

Ich befinde mich in Nordholland in dem kleinen Örtchen Egmond aan Zee. Dort besuche ich meinen guten Freund Jan Schelhaas. Jan ist in Nordholland geboren und seitdem immer in der Nähe des Meeres geblieben. Jan und das Meer – eine Einheit für mich. Beim Betrachten seiner Ölgemälde wird diese Einheit für mich sichtbar und ich frage mich, wie Jan selbst dies empfindet.

Wir sitzen in seiner „Galerie de Zeehaas“, der Boden mit feinem, schönen Sand bedeckt, sein prächtiger, weißer Schäferhund liegt neben ihm. Er strahlt mich an, als ich ihn nach dem Namen seiner Galerie frage. Natürlich ist auch die sprachliche Ähnlichkeit des Zeehaas und Jans Nachnamen „Schelhaas“ selbsterklärend Grund für die Namensgebung. Aber er erzählt mir auch von der mythologischen Figur des Seehasen, welcher aus dem Urmeer, in dem alles geboren wird, hervorgeht. Der Seehase symbolisiert das innere Licht, die Vereinigung der Gegensätze: Illusion und Wirklichkeit. Ich verstehe, was er meint und ohne dass er weiter erklären muss, finde ich diese Spannung, Gegensätze aber vor allem Licht in seinen Bildern.

 
Jan Schelhaas Gemälde
 

Du bist Künstler – wie fing das alles an?

Ich habe schon als Kind gerne gezeichnet. Das waren alles spontane, alltägliche Dinge, die ich um mich herum gesehen habe. Schon damals fand ich großen Spaß darin. Als ich 17 oder 18 Jahre alt war begann ich mit der Ölmalerei. Lange Zeit konnte ich überhaupt nicht davon leben und habe mich mit Nebenjobs durchgeschlagen. Wenn ich nicht gearbeitet habe, habe ich jeden Moment genutzt, um zu malen und besser zu werden. Zuerst malte ich in einem kleinen Raum bei mir zu Hause. Das Atelier kam erst viel später.

 

Wenn man sich umsieht, ist Deine Liebe zum Meer nicht zu übersehen.

Das Meer hat mich seit meiner Kindheit schon angezogen und begeistert. Wenn ich das Meer ansehe spüre ich eine ungeheure Spannung, die Kraft der Gegensätze: Das Meer ist immer bestimmt durch ein Spiel von Licht, Luft, Wolken und Wasser. Ich spüre die Kraft der Elemente. In der Sonne sehe ich das Feuer, das Wasser im Meer, der Strand ist die Erde, Himmel und Wolken sind die Luft und die Kraft des Meeres ist für mich die Lebenskraft, der Äther. Das Meer bewegt sich zwischen Licht und Dunkel, Ruhe und Bewegung, Himmel und Erde, Wasser und Luft, Sehen und nicht Sehen, greifbar und nicht greifbar. Einen Teil des Meeres kann man analysieren und begreifen, doch ein Teil bleibt auch immer verborgen. Diese Spannung reizt mich und ich spüre sie immer. Mein Ziel in meiner Malerei ist es, genau diese Spannung in einer ausbalancierten Komposition aus Farben auf den flachen Untergrund der Leinwand zu bringen und greifbar zu machen. Oft ahme ich die Wellenbewegung des Meeres mit den Händen und dem Pinsel nach, um mich in die Wellen hineinzuversetzen, aus der Bewegung heraus bringe ich die Wellen auf die Leinwand, das Ganze ist also auch ein körperlicher Prozess.

 

Ist es auch ein spiritueller Prozess für Dich?

Ich weiß nicht, was Spiritualität ist, ich kann es nicht genau definieren. Aber ich kann es fühlen, hier und jetzt und obwohl ich es nicht benennen kann und mein Verstand es auch nicht begreifen kann komme ich durch sie in den „Flow“ und drücke mich auf der Leinwand aus. Man kann es also schon so sagen, ja.

 

Was findest Du in Deiner Kunst?

Sie ist meine Verbindung mit der Natur: offen stehen für die Natur, sich mit ihr bewegen, im Jetzt sein, präsent sein, nicht im Denken zu verharren, die Dinge offen auf mich zukommen lassen, intuitiv sein und gute Gefühle strömen lassen. Das ist meine Kunst für mich.

 

Du bist sehr inspiriert, woher kommt das?

Aus der Energie, die mir Meer und Luft geben, daraus jeden Moment wahrzunehmen. Oft denke ich mir „Was ist das nur für ein Wunder, in dem wir leben“, wenn ich die Energie um mich herum wahrnehme. Ohne dieses Gefühl könnte ich nicht malen. Es ist ein Gefühl der Dankbarkeit gegenüber dem Leben, die ich wieder rum in meiner Malerei ausdrücke. Das gilt auch wenn ich mit Menschen zusammen bin. Wenn ich etwas gutes tun kann, geht die Energie dieses Gefühls über in mein Bild. So fühle ich es und das inspiriert mich sehr und jeden Tag aufs neue. Pausen sind aber auch wichtig.

 

Ich kann mir vorstellen, dass Dich Deine Malerei auch Erkenntnisse über das Leben gelehrt hat.

Das stimmt, ich habe gelernt, dass man immer im „Jetzt“ existiert und nirgend wann anders. Wo Du jetzt bist, da musst Du es tun. Nicht in Zukunft oder Vergangenheit nach Gefühlen suchen. Alles was man überhaupt braucht ist jetzt schon da und nur was jetzt ist, ist echt.

 

Gibt es eine besondere Farbe für dich?

Aquamarin. Ganz intuitiv. Es ist die Farbe des Meeres.

 

Wovon träumst Du?

Eigentlich von nichts. Das Leben ist nie vollendet, aber es ist alles so, wie es eben gerade ist. Es ist wie ein Gemälde, auch das ist niemals vollendet. Alles ist in Bewegung, man kann nichts festhalten und das schönste ist, die Dinge die einem das Leben schenkt zu nehmen.

 

Ein Gemälde ist niemals vollendet? Wie stellst du denn dann fest, wenn du „fertig“ bist?

Wenn ich die Spannung des Bildes fühle und erfahren kann. Manchmal kommt es auch vor, dass ich ein eigentlich „fertiges“ Bild nach einiger Zeit noch einmal sehe und ich die Spannung nicht mehr spüre oder nur noch wenig. Dann überarbeite ich es nochmal und male weiter. Das passiert oft in meinem eigenen Prozess.

 

Wie lange brauchst Du denn dann, um ein Bild fertig zu stellen?

Also ich versuche immer 2-3 Bilder pro Monat zu malen. Manchmal auch 4-5. Manchmal läuft es gut, manchmal nicht, man muss Geduld haben in einem kreativen Beruf. Es ist einfach auch eine Gefühlssache, ob man gerade gut und leicht malen kann oder man unzufrieden ist und es nur schwer vorangeht.

 

Das geht wohl fast allen Künstlern so. Was machst Du in diesem Fall?

Im Schaffungsprozess muss ich auch immer wieder andere Landschaften sehen. Pausen und Abwechslung sind wichtig. Aber dennoch komme ich immer wieder hierher zurück. Hier in dieser Gegend finde ich einfach die perfekte Landschaftskomposition für meine Bilder. Egal wo ich gewohnt habe, ich bin immer wieder zurück in diese Gegend zwischen Egmond aan Zee und Bergen aan Zee gekommen, um die perfekte Inspiration für meine Bilder zu bekommen. Hier gibt es schöne Dünen, der Strand ist weder zu breit, noch zu schmal und von der letzten Düne vor dem Meer hat man meistens den fantastischsten Blick, der Winkel ist fantastisch. Ich fühle mich in der Gegend zu Hause und kann mich einfach nicht satt sehen. Auch wenn ich viele, viele Jahre hier bin, sehe ich immer etwas neues. Alles ist in Bewegung.

 

 
Jan Schelhaas
Jan Schelhaas, geboren in Zaandam, lebte die längste Zeit in Heiloo und nun in Alkmaar. Er malt hauptsächlich Ölgemälde von Meereslandschaften, aber auch abstrakte Kunst und Zeichnungen finden sich in seiner „Galerie de Zeehaas“ im niederländischen Egmond aan Zee.

Hier geht’s zu seiner Webseite