Neujahr – Ein Selbstversprechen

Das Jahr geht zu Ende. Es hat für mich immer etwas Magisches: es ist eine Zeit, in der alles vergeht und alles beginnt und doch bleibt es wie es ist, auch wenn vieles anders ist und noch wird. Viele von uns nutzen die Zeit, um zu reflektieren, im Fernsehen laufen Jahresrückblicke, auf Facebook kann man sich per App die schönsten Momente des Pinnwand-Jahres anzeigen lassen. Man denkt zurück und sieht das Jahr mit seinen Höhen und Tiefen…und entzündet an Silvester seine Wunderkerze, sich wünschend, dass nächstes Jahr die Dinge gut und noch viel besser laufen mögen.

Denn seien wir mal ehrlich, wir haben schon das ein oder andere einstecken müssen dieses Jahr. Für manche kann es sogar eigentlich nur noch besser werden. Andere sind eigentlich ganz zufrieden, aber man kann sich ja dennoch vornehmen, im nächsten Jahr etwas abzuspecken, die Küche zu sanieren und dann doch mal den unangenehmen Zahnarztbesuch in Angriff zu nehmen… und am Ende des Jahres blickt man zurück und entzündet seine Wunderkerze, sich wünschend, dass nächstes Jahr die Dinge gut und noch … ja, moment mal!?

 

„Wenn ein Jahr nicht leer verlaufen soll, muss man beizeiten anfangen.“

– Johann Wolfgang von Goethe

 
365 Tage hat das Jahr und ich soll hier stehen und exakt dasselbe Wünschen, wie im letzten Jahr? Sollte ich nicht Ziele setzen? Echte Ziele, nicht die andere Art Ziele, auch Vorsätze genannt, welche wir ohnehin schon mit mulmigem Gefühl im Magen und entschuldigendem Grinsen im Gesicht heraus stottern, wohlwissend, dass wir wohl dieses Jahr auch nichts an unserem kleinen „Prokrastinationsproblem“ verändern können. Es ist ja nichts dabei, Neujahr zu nutzen, sich neue Ziele zu überlegen und zu reflektieren, aber sollten wir das nicht immer tun?

 

„Es hängt von dir selbst ab, ob du das neue Jahr als Bremse oder als Motor benutzen willst.“

– Henry Ford
 

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bekomme ich das Gefühl, Neujahrsvorsätze sind für diejenigen gedacht, die vielleicht lieber doch nicht aktiv werden möchten. Menschen, denen Dinge passieren und zustoßen, anstatt solcher, die sie selbst tun und formen könnten. Könnten. Ich frage mich, ob Vorsätze sich nur als Ziel tarnen, um einen hinterrücks zu erschlagen – als raffinierte Methode der Selbstsabotage zur Feier des neuen Jahres? Jeden Tag kann Neujahr sein, jeden Tag können wir Wünsche zu Ziele werden lassen und zurückblicken auf Positives und Negatives in unserem Leben. Jeder Tag birgt Ende und Anfang der Dinge und jeden Tag kannst Du Dir selbst sagen:

 

 
Neujahrsrede Lebensgeister

 

Ich möchte Dir auf die Schulter klopfen, Dir gratulieren. Du bist hier, genau an diesem Punkt und von diesem Punkt an kann alles passieren. Jeder Moment ist ein neuer Moment. Und ich wünsche Dir, dass Du das nächste Jahr, ab heute, mit Deinen Entscheidungen gestaltest, Dir vergibst und Zeit lässt. Denn Du bist hier, also hast Du ja alles richtig gemacht, oder?

 
Einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr!

sjbr