Pessimismus → Optimismus


Der beste und einfachste Grund, sich vom Pessimistendasein zu verabschieden ist denke ich, dass ein gepflegter Optimismus die Lebensqualität bessert. Nicht, weil deswegen weniger schief laufen kann, man deswegen weniger zu tun hat, einem alles zufliegt und man zum rosa Einhörner reitenden Ritter der Glückseligkeit mutiert, sondern weil man seine persönliche Welt zum positiven ändert. Und das ist so, da sich die Wahrnehmung der Welt eines Optimisten grundlegend in der Wahrnehmung der Welt des Pessimisten unterscheidet.

 

„Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher.“

– Charlie Rivel

 
Optimismus ist, sofern nicht ein hormonelles Ungleichgewicht vorliegt, welches die Psyche des Menschen im Griff hat, erlernbar. Was ich total blöde finde ist, wenn ich diesen Spruch höre: „Ich bin ein geborener Pessimist. Ich war schon immer so.“. Was für ein Unsinn. Niemand ist zum Pessimisten geboren. Man kann die Veranlagung zur Melancholie, zum traurig sein und zu Antriebsschwierigkeiten haben, jedoch: Pessimismus ist erlernt. Und da er erlernt ist, kann man ihn auch wieder verlernen. Als Kinder sind wir weltoffen, wir begegnen Dingen ohne Wertung, sind verletzlich und lebendig. Wir empfinden Glück und Trauer. Aber was wir auch tun ist lernen und zunächst, vor allem von unseren Eltern, kopieren. Wir sind äußerst empfänglich und formbar. Und ganz leicht kopiert man auch negative Geisteshaltung und Wahrnehmung der Eltern.

 

„Wenn du wissen willst, wer du warst, dann schau, wer du bist. Wenn du wissen willst, wer du sein wirst, dann schau, was du tust.“

-Buddha

 
Mit einer solch negativen Grundeinstellung und sei sie noch so subtil, nimmt man automatisch negative Erlebnisse stärker wahr als positive. Als Kind denkt man sich nach einer schlechten Erfahrung: „Ja, stimmt Papa hatte recht.“, als Erwachsener: „Ich wusste, dass das schief geht. Das konnte auch nix werden.“ und im Handumdrehen bestätigt sich ein pessimistisches Weltbild. Aus einem neutralen Boden wächst keine optimistische Pflanze, wenn man ein pessimistisches Saatkorn mit pessimistischem Wasser gießt. Man pflanzt eine pessimistische Erwartung und sieht (gießt) sie durch negative Ereignisse bestätigt. Im aller schlimmsten Fall führt Pessimismus in der Abwärtsspirale sogar dazu, dass man kaum noch glückliche Momente erlebt, da man verlernt, diese überhaupt zu erkennen. Außerdem werden sie gleich verdrängt, da man vor allem aus Angst vor Enttäuschung gelernt hat, dass Glück niemals von Dauer ist. Eine latente Depression ist vorprogrammiert. Es funktioniert allerdings auch andersherum und da möchte ich ansetzen.

 

„Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.“

– Buddha

 
Die Gewohnheit des Pessimismus und die Gewohnheit des Optimismus steuern unsere Wahrnehmung. Umgekehrt führt allerdings ein Steuern der Wahrnehmung wieder rum zum Pessimismus, sowie viel wünschenswerter: zum Optimismus. Optimisten finden einen Grund zur Freude. Pessimisten finden einen Grund zum Ärger. Immer. Es gibt also jederzeit zwei Wege, eine Begebenheit einzusortieren und mit ihr umzugehen. Dass man in bestimmten Situationen einfach nur traurig sein kann und muss ist völlig verständlich (ich empfehle auch niemandem einen fanatischen Optimismus zu praktizieren und negative Emotionen zu verdrängen!), aber nichts ist von Dauer und auch aus negativen Gefühlen und schlimmen Lebensphasen gelingt es Optimisten, das für sich Positive daraus zu lernen. Ein Pessimist umarmt praktisch negative Situationen, da er in ihnen einen legitimen Grund finden kann, sein Leid, sein Weltbild bestätigt zu sehen und weiter zu leiden. Ist die Situation nicht negativ genug, wird ihr (durch Übertreibung, Verleugnung, Projektion etc.) ein Gewicht verliehen, welches sie zum schlimmsten Lebenshindernis werden lässt. Wie so oft ist es die Bewertung der Dinge, die darüber entscheiden, wie wir uns fühlen. Bewerten wir eine Reihe an (unter anderem auch) negativen Begebenheiten positiv, formen wir eine positive und optimistische Grundkonstitution. Dies können wir ganz aktiv tun! Am Anfang mag es lächerlich und gezwungen erscheinen, aber wenn man in jeder Situation die Chance zum Lernen und zum Wachstum wahrnimmt, egal wie schlimm sie sein mag, wird der Optimismus zum Automatismus, genau so wie es einst der Pessimismus war.

 

„Der einfachste Weg, Hindernisse zu umgehen, ist, sie als Sprungbrett zu benutzen“

-Ernst Ferstl

 
Oft herrscht das Vorurteil vor, Optimisten seien blauäugige, realitätsfremde Traumtänzer. Ein echter, gesunder Optimismus tut jedoch genau das Gegenteil: man bekommt mit ihm ein Werkzeug zur Hand, seine Lebenssituationen aktiv in die Hand zu nehmen und sich selbst durch sie hindurch zu manövrieren. Man wird aktiv, es ist ein Ausbruch aus der all zu beliebten Opferrolle des Pessimisten dem immer Dinge passieren, anstatt, dass er Dinge selbst tut. Ein aktiver Optimismus hilft durch schwere Zeiten, er macht Widerstandsfähig, bessert die Gesundheit (allein schon aufgrund der Tatsache, Krankheit nicht mehr zu einer Katastrophe zu erklären), mit Misserfolg umgehen zu lernen und Erfolg herbeizuführen und vor allem tut er eins: er stärkt das Selbstvertrauen. Wie könnte es auch anders sein, denn die Abwärtsspirale, die den Pessimisten in seinem Dasein aus „nicht genug“- und „nie erfolgreich“ sein immerzu bestätigt, funktioniert ebenso als Aufwärtsspirale beim Optimisten. Und dadurch haben Optimisten natürlich Grund, sich durch ihre positive Erfahrung in ihrer aktiven Lebensgestaltung bestätigt zu fühlen. Das hat nichts weltfremdes an sich, es ist sogar logisch nachvollziehbar. Nicht, dass einem Optimisten nicht negative Dinge zustoßen würden, allerdings hat er sich mit der Zeit ein sehr wichtiges Werkzeug zu eigen gemacht: seine Hoffnung. Die Möglichkeit zur Selbstaufgabe ist keine Option mehr. Leitsatz eines Optimisten ist „Ich kann das.“.

 

„Für den Optimisten ist das Leben kein Problem, sondern bereits die Lösung.“

Marcel Pagnol

 
Wichtig ist, Deine Glaubenssätze gnadenlos auszusortieren. Frage Deine Freunde, Deine Familie. In welchen Deiner „typischen“ Sätze sehen sie besonders, dass Du Dir selbst im Wege stehst? Was bewertest Du oft negativ? Was bringt dich auf die Palme? Bist Du ein Mensch, der „Ich habe es ja eh schon geahnt“ nach einer Enttäuschung sagt oder denkt? Bist Du jemand, der seinen besten Freund meistens Anruft, um sich über etwas zu beschweren? Genau da liegt Dein Potenzial. Die Dinge, die Dich am meisten aufregen könnten die besten Lehrer für Dich werden. Versuche zu verstehen, was diese Situation für einen Grund hat und was sie möglicherweise für Dich positives birgt. Versuche deine Sicht zu verändern: ein „Anderstag“ hilft zum Beispiel. Eine ganz tolle Methode, die ich von einer Arbeitskollegin gehört habe. Man macht einen Tag lang einfach alles anders, als man es sonst tut. Ich habe es mal ausprobiert, es war anstrengend aber unglaublich belebend und man lernt so viel kennen wie sonst in einem Monat nicht. Außerdem helfen positive, optimistische Filme und Geschichten und sich mit optimistisch ausgerichteten Menschen zu umgeben und von ihnen zu lernen. Und falls sich gerade jetzt der Satz „Oh man das kann ich doch nicht.“ einstellt, dann weißt Du ja, was du zu tun hast.

Jeder Mensch hat die Chance von klein auf zum Pessimisten oder Optimisten zu werden. Und das kann man auch wieder verändern. Und denke daran: Die Mischung machts und die Dosis das Gift. Zwanghaft nach Positivem zu suchen, wenn Dir gerade nur nach Heulen zumute ist, wird Dir Deinen Optimismus erschweren. Und: ein realistischer Blick auf die jetztige Situation wird Dir genau so gute Dienste leisten, wie ein optimistischer Blick auf Deinen nächsten Schritt!

 
Alles Gute Dir,

Deine Sophia