Produktiv, Kontraproduktiv

Einen Monat lang habe ich nichts geschrieben. Warum? Weil ich einfach keine Lust hatte. Mir kamen zwar einige Dinge in den Kopf, über die ich schreiben könnte, aber dennoch ist die Luft raus. Ideenlos bin ich nicht, aber so recht wollte ich mich meinem/r Durchhänger / innerem Schweinehund / Motivationstief / Schreibblockade / Antriebslosigkeit / Trägheit (diese Reihe an Synonymen ließe sich endlos fortsetzen, schließlich kennt es jeder und jeder hat sein bestimmtes Wort dafür) nicht so recht ins Auge sehen. Vor allem wusste ich auch nicht recht wie ohne mich zu zwingen, etwas von mir zu geben. Und im Zwang liegt das Stichwort.

 

„Wann immer du in zwanghaftes Denken versunken bist, verdrängst du das, was ist. Dann willst du nicht da sein, wo du bist: hier und jetzt.“

– Eckhart Tolle
 

Du kennst das bestimmt genau. Du hast 1000 Dinge im Kopf, die Du machen könntest, die Du nun für Dein ganz persönliches Projekt tun könntest, Zeit hättest Du ja, aber irgendwie will es nicht so recht aus Dir raus. Außerdem hast Du Träume. Kleine Wünsche, die nur geringen Aufwand erfordern würden. „Man könnte ja….aber neee….“ darauf läuft es meist hinaus. Und dann tust Du das, was Du immer tust, wenn Du zu träge bist, etwas produktives zu tun. Und ständig fühlst Du das schlechte Gewissen, so ein Kribbeln im Nacken, welches Dich stets daran erinnert, dass Du gerade nicht der Mensch bist, der Du eigentlich sein möchtest. Nicht das tust, was Du Dir vorgenommen hast. Manchmal dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis ein „Durchhänger“ sich mal von selbst wieder verdrückt. Meiner spukt momentan recht gern um mich herum. Soll ich Dir was sagen? Überhaupt nicht schlimm!

 

„Die größten Ereignisse sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.“

-Friedrich Wilhelm Nietzsche
 

Jetzt fragst Du Dich vielleicht, warum ich denn nun doch schreibe, wenn ich eigentlich keinen Antrieb dazu habe, oder? Weil ich Dir erzählen möchte, wie man sich aus einer solchen Situation windet. Es ist eigentlich ganz einfach: Du musst nur nachgeben!
…klingt total bescheuert oder? „Wenn man nachgibt, dann hängt man ja nur noch träge traurig vor dem Fernseher und schaufelt Chips in sich hinein.“ Oh nein! Ich sehe das ein bischen anders. Wie immer – und das wird Dich jetzt nicht überraschen – kommt es natürlich auf Deine Einstellung an. Warum also habe ich nachgegeben? Ich habe die Entscheidung getroffen, meinem schlechten Gewissen den Nährboden zu entziehen, indem ich einfach im Reinen damit war, nunmal jetzt keine Lust zum schreiben zu haben. Schlechtes Gewissen funktioniert nur so lange, wie Du Dir selbst Vorwürfe machst. Wenn Du es lässt, Dich auf die Couch haust und Dir Deine Lieblingssender ansiehst, weil es Dir gerade gut tut, dann kann Dir Dein Gewissen nichts anhaben. Das alles bedeutet keineswegs, dass Du Dein Ziel aus den Augen verlierst! Das ist ein ganz anderes Thema.

 

„Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens.“

– John Steinbeck
 

Klingt easy, aber ich habe jetzt auch wieder etwas gebraucht, bis ich an den Punkt kam, mich zu fragen „Willst Du Dich jetzt eigentlich die ganze Zeit so halb schlecht fühlen, weil Du im Moment nichts schreiben willst, oder willst Du Die Zeit nutzen um Dir die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen?“ (das mit dem Pelz ist natürlich jetzt nicht wörtlich zu nehmen!). Bei mir hat es nun ein paar Wochen gedauert, an den Punkt zu kommen, meines schlechten Gewissens überdrüssig zu sein, bei anderen, geübteren Menschen als mir geht das wahrscheinlich schneller, bei vielen bestimmt langsamer. Also! Mach Schluss mit Deinem schlechten Gewissen und wie Du siehst kam dann bei mir der Schub, den ich benötigte, um etwas zu schreiben wie von alleine. Und es macht Spaß! Ja, ich habe einige Tage einfach nur faul am Meer gelegen, habe viel gegessen und meine restliche Zeit damit verbracht, mir Dokumentationen anzusehen. Na und? Was füllt denn die Tanks besser auf, als wirklich einfach mal nur das zu tun, was man gerade tun möchte, selbst wenn es nichts oder nicht viel ist und nichts von dem tut, was einem das schlechte Gewissen einreden möchte? Mittlerweile habe ich meinen inneren Richter recht annehmbar gezähmt und habe natürlich leicht reden mit so was im Vergleich zu jemandem, der regelmäßig von Ihm in den äußersten Stress getrieben wird! Und wie ich das kenne!

 

„Menschen, die die Muße und Ruhe nicht mehr kennen, führen auch im größeren Reichtum ein armes Leben.“

 

Es ist wichtig, den inneren Instanzen, oder wie ich sie immer nenne: den „Lebensgeistern“, klar zu machen, wo ihr Platz ist und alle so aufeinander einzustimmen, dass sie im Team für Dich arbeiten, nicht gegen Dich. Das mag am Anfang vielleicht etwas seltsam sein, aber versuche Dir diese verschiedenen Instanzen bildlich vorzustellen. Als Personen, Objekte oder wie ich z.B. als Geister. Rede mit ihnen, hol sie in Dein Team! Vielleicht schreibst oder malst Du sie mal auf? Versuche eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Und in diesem Falle würdest Du Dich an Deinen inneren Richter wenden und ihm ordentlich auf die Finger klopfen. Außerdem solltest Du dem Steuermann mal sagen, er soll mal ein bischen Kohle nachlegen, wenn ihr nicht im Binnengewässer versacken wollt! „Ahoi Steuermann! Hör mal ich schätze Deine Arbeit wirklich aber meinst Du nicht uns beiden würde es etwas mehr Spaß machen, wenn Du Die Schaufel schwingst?“ ja es klingt bescheuert, aber so funktioniert es für mich tatsächlich ganz gut!

 

„Wenn der Mensch zur Ruhe gekommen ist, dann wirkt er“

– Francesco Petrarca
 

Um Produktiv zu werden genügt es, seine inneren Instanzen in Einklang zu bringen und sich Pausen zu gestatten. Kein Mensch der Welt kann und darf für Dich festlegen, wie lange diese Pause zu gehen hat. Eine Freundin von mir hat diese Pause nun schon auf 2 Jahre ausgedehnt. Natürlich kann man nicht leben, ohne sein Leben irgendwie finanzieren zu können, aber von dem Nötigsten, was man zum Leben tun muss abgesehen ist es vollkommen Dir überlassen, wie viel Zeit Du benötigst, um wieder ins Rollen zu geraten. Dir dabei permanent vorzuhalten, was Du eigentlich tun müsstest, stellt Dich so wie Du jetzt bist in hartem Kontrast zu dem wie Du sein solltest. Das bedeutet, dass Du jetzt gerade nicht gut bzw. gut genug bist. Und das wiederrum bringt Dich in eine Lage, die puren Stress und Verzweiflung bedeutet. Es ist völlig kontraproduktiv, sich mit schlechtem Gewissen und Verurteilen auszubremsen. Es lähmt und erstickt jedes zarte Pflänzchen, was eventuell blühen und Dich lebendiger machen kann, im Keim. Gestatte Dir, träge zu sein. Gestatte Dir, das zu sein, was Du bist und damit unter Umständen überhaupt nicht dem zu entsprechen, was Du oder andere von Dir verlangen.

Was produktiv ist, ist ein „Rückschritt“, der Dir den Raum gibt, den Du benötigst, um Luft zu holen. Es ist doch kein Geheimnis oder? Ein „Rückschritt“ liefert meist die nötige Energie um danach 2 oder sogar 3 Schritte auf einmal gehen zu können. Du musst nur den Mut haben einen „Rückschritt“ auch zu gehen.

Lass Dich nicht lähmen, setz Dich hin, Ruhe Dich aus und konzentriere Dich darauf, was Du wirklich willst:

 

Lebensfreude.

 

Deine Sophia