Spiritualität und Politik?

Bordüre4

Geistige Selbstverwirklichung und das Gemeinwohl

(Gastbeitrag von Achim Reschke, im Dezember 2013)

Ich freue mich über die Möglichkeit, auf Lebensgeister einen Gastbeitrag beisteuern zu können. Es gibt eine Querverbindung zu meiner Arbeit als Musiker:
Als ich über Textinhalte für meine Songwriting-Projekte nachdachte, kam das Unvermeidliche. Recherchen zum Ist-Zustand der Menschengesellschaft und das erschreckende Fazit: Alle machbaren Katastrophen werden umgesetzt, wenn Aussicht besteht, damit Geld zu verdienen.

 

Die Politik

Den „großen Plan“ in der Politik hat die Wirtschaftslobby. Alle Mittel und Wege sind den jeweiligen Unternehmen recht, um sich und den Anteilseignern Gewinn zu sichern. Der Fehler liegt in der Zielsetzung und falschen Wertschöpfung des kapitalorientierten Systems und in der positiven Resonanz, die dies beim Konsumenten findet. Weder die Art des Zustandekommens noch die öko-sozialen Auswirkungen eines Produktes oder einer Dienstleistung sondern Umsatz und Profit bestimmen den Wert und die Überlebensfähigkeit eines Unternehmens.

Das beschert uns ein „Gesundheits“wesen, das kranke Menschen braucht, eine gifte-basierte Nahrungsmittelindustrie, Atomkraft, Landgrabbing und letztlich auch etliche Kriege einerseits, ständig wachsende Kontamination von Luft, Wasser und Erde, Plastikmüll bis in die Mägen von Fischen und bis in unsere Blutbahn, zunehmende Strahlenbelastungen andererseits. 6,5 Millionen synthetische Substanzen sind bislang in Umlauf (Video). Die Auswirkungen sind oftmals ungeklärt, die Klärung oftmals unerwünscht. (Infomaterial)

In solch einer „Geisteskultur“ gelten der Mensch, der Boden, das Wasser, Tier- und Pflanzenreich als zu kalkulierende und fernzusteuernde Ressourcen, die dann auch gleich kollektiv für die Schäden aufkommen sollen: Sie haften und bezahlen mit ihrer Gesundheit, ihrem Leben, im günstigsten Fall mit zweckentfremdeten Steuergeldern.
Ablenkungsmanöver und Irreführung durch Politikdarsteller und Medien stimmen die Begleitmusik an, von den glücklicherweise wachen und kritischen Geistern abgesehen. Diesen kritischen – also zur Unterscheidungsfähigkeit entschlossenen – Menschen und einer spirituellen Basis verdanke ich meine Orientierung und die Motivation, gegen den zerstörerischen Mainstream und für die Etablierung von lebenswichtigen Werten etwas zu tun. Bei all dem wurde mir klar, dass die Kunst darin beteht, das Negative zu erkennen, zu benennen, die Ursachen zu finden und die positiven Gegenmittel zu finden, zu kultivieren und anzuwenden, um dabei glücklich und gesund bleiben zu können und für das Leben einzutreten.

 

Der Staat sind allerdings wir – die Bürger

Ganz offensichtlich ist die Politik überfordert und benötigt unsere Hilfe. Einem gewaltsamen Umsturz des Systems haben die Machthungrigen schon durch die Einrichtung neuer Gegengewalten vorgebeugt: Der Interessierte recherchiere zu „Eurogendfor(ce)“ und dem „Einsatz des Militärs im Inneren“. Gewalt erzeugt Gegengewalt, und auch die Etablierung eines gut gemeinten staatlichen Systems erfordert die Ausübung von Zwang, bedingt Gewalt und Unterdrückung.

Gut informierte Bürger, bestenfalls auch noch glücklich, da selbst-bestimmt (siehe unten), sind nicht so einfach zu leiten, wie wir das bisher der sogenannten „Elite“ ermöglichen. Wir können Politik und das Gemeinwohl stärker miteinander verbinden. Wo also den Hebel ansetzen?

 

Die Spiritualität und das Glück

„Wir sind, was wir denken. Alles was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken machen wir die Welt.“

-Buddha

Paul Watzlawick stellt überzeugend dar, dass der Wandel im Einzelnen stattfinden muss, um ein Vorbild für andere sein zu können. (Video)
Auch der Philosoph Richard David Precht setzt auf die Schaffung von positiven Milieus, die die Gesellschaft „infizieren“ können. (Link)

„Sich an die Güte anderer zu erinnern, ist die Wurzel von Liebe.“

-Gampopa

Es gibt ein Kontinuum aus Wissen und dem Erkennen individueller wie gesellschaftlicher Realitäten einerseits und unserem geistig-seelischem Wachsen anderseits. Wenn wir uns klar machen, welche Werte uns dazu verhelfen, nicht nur die nächste Rechnung bezahlen zu können (was zweifelsfrei wichtig ist) sondern auch für alle Mitwesen und für unsere eigenen Kinder eine lebenswerte Welt zu gestalten, dann prüfen wir doch einmal diese Rechnungen: Was konsumieren wir aus welchen Gründen und zu welchem Zweck? Worauf können wir verzichten, was durch sozial und ökologisch besser verträgliche Dinge ersetzen? Was muten wir anderen zu mit dem, was wir uns leisten? Und: Woran arbeiten wir täglich?
Wie können wir uns selbst genug sein, um dann auf Ersatzhandlungen verzichten zu können? Das selbst ist nicht diese chronisch unterernährte Illusion des Ich.

Nicht nur der Buddhismus lehrt, dass das Ego eine aus Bedingtheiten zusammengesetzte Hilfskonstruktion ist, um die einmal etablierte Wahrnehmung und fatale Unterscheidung von Innen- und Außenwelt aufrecht zu erhalten. Vielmehr müssen wir uns als vorübergehende Erscheinungen des Lebens an sich verstehen, die naturgemäß mit anderen Lebensformen über Räume und Zeiten hinweg in Verbindung stehen. Darin liegt unser unendliches Potenzial, das ein hungriges Ego weder findet, geschweige denn sich erschließen kann. Auch unser Glück ist nicht unabhängig vom Glück anderer Lebewesen. Deren Glück ist vielmehr eine Quelle für unser Glück.

„Liebe ist der Wunsch, alle Wesen im Besitz von Glück zu sehen.“

– Buddhistischer Grundsatz

Empathie ist somit selbst-verständlich und über etwaige Wünsche auf Kosten von Mitlebewesen erhaben. Wir können uns davon überzeugen, dass Liebe und Glück zunehmen, wenn wir sie teilen. Der Weg zum Glück liegt auch in der zunehmenden Unabhängigkeit von materiellen Wünschen, deren Teilung regelmäßig weitere Wünsche und oft genug Leid erzeugt. Wir kennen Namen von Menschen, die diese Unabhängigkeit offenbar verwirklicht haben. Denken wir besser dran, wenn es nun zu Weihnachten Wünsche gibt.
Unterschrift_Achim

 

 

 

Über Achim Reschke

Achim Reschke Photo by ©Vicky Baumann
Ich habe einen gewissen spirituellen Hintergrund: jahrelange Meditationspraxis und Musik als Zentrum und Erdung der Lebensgestaltung. Den „Normalzustand“ unserer Gesellschaft habe ich spätestens im Alter von 17 Jahren in Frage gestellt und mich um andere Perspektiven bemüht.

Teile meiner musikalischen Arbeit finden sich im Internet:

Hauptseite

Akustikgitarre

Einige meiner Songs

 

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