Was am Ende wirklich zählt

Bordüre IndienIch bin an einem Punkt in meinem Leben, in dem ich mich entscheiden muss. Du kennst das Gefühl sicher auch, zu wissen, dass Du eine Entscheidung treffen wirst, die wohl ziemliche Veränderungen mit sich bringen wird. Allein bei der Frage, was Du mal werden wolltest oder wo Du arbeiten wolltest hast Du das sicher erlebt. Die Entscheidung bestimmt ein ganzes Leben. Normalerweise. Die meisten Menschen schreckt so etwas ab, es hat schließlich mit Verantwortung zu tun. Es ist ja auch sozusagen „normal“, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Viele von uns bleiben aus diesem Grund schlichtweg unter ihren Möglichkeiten. Und das finde ich sehr schade. Schade, weil ich weiß, dass man erst dann wirklich in seine eigene Kraft kommen kann, wenn man seinen inneren Dämon besiegt. Den „Schweinehund“, wie ihn viele nennen. Ich weiß das, weil ich selbst auch vor einigen Jahren noch den Weg des geringsten Widerstandes gegangen bin. Manchmal ertappe ich mich selbst, wie ich es auch heute manchmal tue.

 

„Suche nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit.“

-Friedrich Schiller
 

Der Weg des geringsten Widerstandes ist nicht das schlechteste, was man tun kann. Immerhin geht man. Nur hat man sein Ziel gefunden und weiß man wohin man gehen möchte, so ist es selten so, dass der Weg des geringsten Widerstandes einen auch wirklich dort hin bringt. Das Leben selbst ist es, dass uns prüft und uns Hindernisse in den Weg legt. Momente und Phasen, in denen man sich fragt, ob man weitergehen soll, ob es noch Sinn macht, ob man diese Entscheidung überhaupt treffen sollte, ob man stark genug ist und so weiter. Vielleicht fühlst auch Du Dich in solchen Momenten auch einfach unfassbar schwach und einsam. So kenne ich es auch von mir. Meine Mutter sagte mir schon damals immer „Wo Deine Angst ist, da liegt auch Dein Weg.“. Als Teenager habe ich das alles nicht so recht verstanden. Heute sieht das zum Glück ganz anders aus. Ich weiß heute auch, warum ich diesen Satz nie vergessen habe. Es ist schlichtweg die Essenz des Erfolgs. Egal, ob Dein Erfolg nun das große Geld ist, den Job zu haben, den Du liebst, mit Dir klar zu sein oder Ruhe in Deiner Familie. Dein Weg führt Dich letzten Endes immer zu Dir selbst. Nur wer an sich selbst vorbeikommt, ja besser sogar, nur wer sich selbst an die Hand nimmt und nur wer es schafft, sich nicht zu blockieren, wird am Ende wirklich von sich sagen können, das erreicht zu haben, was er wollte.

 

„Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.“

-Dietrich Bonhoeffer
 

Dieser Weg ist, wie Du Dir bestimmt angesichts der Gesellschaft heute ausmalen kannst, einer, für den Du Dich aktiv entscheiden musst. Ein ungewöhnlicher Weg. Ich sehe jeden Tag viele Menschen, die einfach mit ihrem bisherigen Leben so wie es ist und wie es immer war weitermachen. Daran gibt es auch überhaupt nichts auszusetzen. Aber willst Du auf die Frage, was Du vor 20 Jahren gemacht hast, was Du interessant fandest und wo Du schon überall warst, dieselben Antworten geben, wie damals? „Warum sollte sich denn etwas ändern, es läuft doch: festes Gehalt und Essen im Kühlschrank.“ habe ich schon so oft gehört. Aber wirklich zufrieden war niemand, der mir das bisher gesagt hat. Kennst Du jemanden, der Dir etwas in dieser Art mit freudestrahlendem Gesicht verkündet? Allerdings ist das die Einstellung der meisten Menschen in unserem Umfeld. Was mich daran stört ist, dass diese Haltung ansteckend ist. Stillstand färbt direkt ab auf Menschen in Deinem Umfeld. Der Weg des geringsten Widerstandes ist nicht viel mehr als das. Keiner möchte, wenn er einmal einen Beruf erlernt hat, viel mehr lernen, als das Nötigste. Geschweige denn einfach umzulernen, weil man seinen Weg nicht mehr mit dieser Tätigkeit gehen kann. Wer will schon das Risiko eingehen, einen eigenen Laden aufzumachen, anstatt unter der Fuchtel eines neurotischen Chefs langsam aber zumindest in Sicherheit dahinzuplätschern?

 

„Der schlimmste Weg, den man wählen kann, ist der, keinen zu wählen.“

-Friedrich II., der Große
 

Wer wirklich in sich hinein fühlt und ein gutes Gespür für sich selbst entwickelt, wird irgendwann jedoch nicht mehr ohne Weiteres in der Lage sein, ein solches Dasein weiterhin ignorieren zu können. Und dabei ist es egal, worum es geht, ob im Job oder in der Familie oder ganz für sich selbst. Irgendwann, wenn man sich ehrlich im Spiegel ansieht wird man merken, das es da einige Glaubenssätze, wie „Es läuft doch, also muss sich nichts ändern“ oder „Besseres habe ich eh nicht verdient, das ist nur etwas für Überflieger“ gibt, die einem früher oder später um die Ohren fliegen, wenn man sie weiterhin gegen sich nutzt. Wahrscheinlich bis auch Du früher oder später in Deinem Leben an solche Punkte gekommen, an denen Du wusstest, dass sich etwas ändern muss, egal um was spezifisch es ging. Das Prinzip ist bei allen Lebenssituationen dasselbe: Du musst eine Entscheidung treffen. Und zwar die Entscheidung für Dich.

 

„Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst.“

-Albert Schweitzer
 

Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben. Wenn Du dauerhaft gegen Dich selbst und Deine Entwicklung, gegen deine Zufriedenheit und Deinen geistigen, materiellen, seelischen oder auch sozialen Wohlstand lebst, wirst Du irgendwann in Schuld und Selbstablehnung versinken. Wie kann es sein, dass arme Menschen in fremden Ländern davon sprechen, dass sie reich sind, wo sie es doch offensichtlich nicht sind? Wie können sie lachen und so zufrieden sein? Weil sie eins sind mit sich und ihrem Lebensweg. Es genügt ihnen, das zu tun, was sie tun, weil sie gerne tun, was sie tun. Ja, es ist ein je nach Situation auch ein sogenanntes „Luxusproblem“, welches ich hier beschreibe. Aber wir westlichen Menschen haben nun einmal sie Wahl. Wir werden in eine Vielzahl von Möglichkeiten hineingeboren und wissen, dass wir es uns schuldig sind, das beste aus uns zu machen. Wie auch immer das „beste“ aussieht. Gestern noch las ich einen Artikel über einen mit Bestnoten ausgebildeten, glücklichen jungen Mann in meinem Alter, der aktiv entschied, 10 Stunden die Woche zu arbeiten und von 500 Euro im Monat zu leben. Wenn Du wirklich zufrieden damit bist, mit 50 dasselbe zu tun, wie mit 20, dann ist das wunderbar. Aber dann bedeutet das, dass Du irgendwann eine Entscheidung getroffen hast. Entweder es war Dir immer klar, dass Du nicht mehr brauchst oder Du hast diese Entscheidung einmal ganz aktiv getroffen. Aber in jedem Fall ist da eines: die Entscheidung.

 

„Viel mehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.“

-Joanne K. Rowling
 

Du kannst als Maurer angefangen haben, jedoch zum Architekten werden. Du kannst Küchenhilfe sein, jedoch als Restaurantbesitzer Verantwortung tragen. Du kannst ein einsamer Wolf sein und später eine fünfköpfige Familie zusammenhalten. Du kannst blind geboren sein und Klavierprofi werden. Ich will Dir keine Werte und Idealvorstellungen aufdrängen, geschweige denn Dir erzählen, Du seist nur gut, wenn Du etwas aus Dir machst. Gut bist Du jetzt schon, es ist nur die Frage, was Du aus deiner Basis machst. Ich will Dir sagen, dass Du selbst entscheidest, was mit Dir passiert. Ich treffe meine Entscheidung. Ich weiß, dass mein Weg dadurch um ein Vielfaches anstrengender wird. Aber warum um alles in der Welt sollte ich ihn nicht gehen, wenn ich auf ihm dorthin finde, wo mein Ziel liegt? Und selbst wenn nicht – so bin ich trotzdem weitergegangen und finde einen anderen Weg.
Selbst wenn Du es schwer hast: willst Du im Ruhestand erzählen, dass Du Dein Leben Deinem Traum gewidmet hast oder möchtest Du lieber von Deinen Abenteuern erzählen, als sich 40 Jahre nichts veränderte? Gib Dich nicht damit zufrieden, irgendwie über die Runden zu kommen. Irgendwie Dein Familienleben zu haben. Irgendwie ja im Fernsehen schon genug von der Welt mitzubekommen. Wer auch immer Du bist und was du auch fühlst, denkst und erträgst: am Ende zählt, wofür Du Dich in Deinem Leben entschieden hast. Am Ende ist Dein Leben die Summe Deiner Entscheidungen. 40 Jahre Stillstand ist auch eine Entscheidung. Aber ist es Deine?

 
 
Deine Sophia